Hilfe! Eine Hochzeit will geplant werden!

Hilfe! Eine Hochzeit will geplant werden!

Bald ist es soweit! N√§chstes Jahr im Sommer darf ich mich “Ehefrau” schimpfen. ūüėČ Nat√ľrlich muss bis dahin alles geplant werden und nat√ľrlich wird auch so einiges schief gehen. Ich habe mir √ľberlegt, ein paar Anekdoten dar√ľber hier nieder zu schreiben. Zum Einen um es sich von der Seele zu schreiben, zum Einen um dar√ľber selbst lachen zu k√∂nnen.

Sicherlich wird es nicht jeden interessieren aber dieser Punkt hat mich auch nicht von meinen Kurzgeschichten abgehalten. Wer doch einen Blick hier reinwirft: viel Spa√ü beim Lesen! ūüôā

Die Einladungskarten sind gedruckt und warten aufs Verschicken, eine Website f√ľr die Hochzeit ist in Arbeit und ich darf sogar den ersten Termin in einem Brautladen mit einem gro√üen, gr√ľnen Haken versehen. An diesem Termin m√∂chte ich nun ankn√ľpfen.

Ich denke f√ľr jede Frau ist das Hochzeitskleid etwas Besonderes, das mit viel Sorgfalt ausgesucht werden muss. Ein Pluspunkt w√§re es wenn die Verk√§uferin eines solchen Ladens einem selber sympathisch ist. Gewisse Kompetenz habe ich vorausgesetzt und bin in diesem Punkt auch prompt in einen Fettnapf gelaufen.

Hochzeitsgesch√§fte sind in M√ľnchen nicht gerade selten, daher dachte sich meine Innere Bibi, jeder Laden hat eine Homepage die man besuchen kann. Gemacht, getan. Eine davon sah auf den ersten Blick sympathisch aus. Ich m√∂chte hier nur kurz betonen, dass dies nicht die erstbeste Seite war, die gleich dingfest gemacht wurde. Tats√§chlich habe ich eine halbe Stunde mit mir gehadert habe, welche ich nun zuerst anrufen soll.

Der Laden f√ľr den ich mich dann entschieden habe, sah auf dem Bild ger√§umig und einladend aus. Der Termin wurde telefonisch vereinbart und ich stand, begleitet von meiner Mutter und zwei meiner Freundinnen p√ľnktlich vor dem Laden.

Nun ja, ich korrigierte das Wort “ger√§umig” in meinem Kopf in die W√∂rter “klein und fein” und marschierte gut gelaunt in den Laden. Wir wurden in den hinteren Bereich des Ladens gebracht und gefragt welche Vorstellungen wir denn h√§tten. Soweit, so gut. Es wurden einzelne Kleider von der Verk√§uferin f√ľr die Anprobe vorbereitet und sie folgte mir brav in die Umkleidekabine um mir bei der Anprobe zu helfen.

Bis dahin war weitgehend alles in Ordnung. Ich schritt in dem sehr volumin√∂sen Kleid aus der Kabine und sollte mich auf einen kleinen Hocker stellen, damit man sich besser im Spiegel betrachten konnte. Die erste H√ľrde mit einer kaputten H√ľfte und einem nicht existenten Gleichgewichtssinn konnten mit der Hilfe meiner Begleiterinnen √ľberwunden werden, so dass ich etwas wackelig zwar aber doch gerade auf dem Hocker stand.

Ein Blick in den Spiegel und es waren sich alle einig, dass dieses Kleid zwar durchaus h√ľbsch, doch f√ľr eine Hochzeit nicht so ganz passte. Noch dazu war der Schnitt des oberen Teiles des Kleides etwas unvorteilhaft, wenn man so wie ich, eine gr√∂√üere Oberweite besitzt. Ich darf mich gl√ľcklich sch√§tzen, dass meine Begleiterinnen eine gute Meinung haben und diese auch ohne¬†Scheu aussprechen. Was ich sehr sch√§tzte, verpasste dem L√§cheln der Verk√§uferin einen kleinen D√§mpfer. Sie betonte mehrmals, dass die Hauseigene Schneiderei an dem Kleid Ausbesserungen vornehmen k√∂nnte und dass dieses St√ľck doch hervorragend zu einer Trauung, wie unsere im Schloss passen w√ľrde.

Zu der lauten √úberlegung meiner Mutter, dass man sich doch¬†sicherlich nochmal √ľberlegen k√∂nnte ob das Kleid in die engere Auswahl kommt oder nicht, gab es die etwas patzige Antwort: “Dieses Kleid ist ein Einzelst√ľck! Wenn es weg ist, ist es weg. Da m√ľssten Sie sich schon bald entscheiden!”

Die bisherigen Sympathiepunkte die ich ihr unbekannterweise zugeschrieben habe, wurden mit jedem Satz weniger. Also gut. Wieder in die Umkleide und das n√§chste Kleid versuchen. Das zweite Kleid war einen Tick besser, √§nderte aber nichts an dem Problem mit dem Ausschnitt der denselben Schnitt hatte, wie das Vorg√§ngermodell. Eine meiner beiden Freundinnen, brachte den Ratschlag, es doch mit einem Herzf√∂rmigen Ausschnitt zu versuchen, was wohl ebenfalls nicht so gut bei der Verk√§uferin ankam. Offenbar waren nach ihrer Meinung meine Br√ľste einfach zu gro√ü, dass auch kein herzf√∂rmiger Ausschnitt daran was √§ndern k√∂nnte. Unsere Gruppe vertrat jedoch die Meinung, dass eine Braut eben nicht nur aus Br√ľsten bestehen sollte, sondern auch aus einem K√∂rper, den man sicherlich h√ľbsch verpacken kann.

Die Gute Laune der Beraterin verflog allerdings in dem Moment, als ein Kleid entdeckt wurde, welches von ihr nicht herausgesucht worden war. Ein absch√§tziger Blick auf das Kleid und der Kommentar, dass ich in dieses Kleid niemals passen w√ľrde. Darin bekommt sie meinen Busen sicherlich nicht unter. Ich glaube ihre nun bereits am Boden liegende gute Laune wurde noch schlechter als alle unisono darauf bestanden es doch mal anzuprobieren.

Man muss der armen Frau zu guten halten, dass das letzte Kleid tatsächlich nicht passte allerdings ging dieser Aspekt ziemlich schnell unter, in dem sie mehrmals versuchte mir das erste Kleid aufzuschwatzen.

Im gro√üen und ganzen waren wir alle froh, als wir den Laden wieder verlassen konnten. Sicherlich ist es vielleicht einfacher ein Kleid f√ľr eine Frau zu finden, die generell sehr schlank ist und auch obenrum weniger hat. Allerdings trage ich keine √úbergr√∂√üen was es besonders schwer machen w√ľrde und denke schon, dass es Schnitte gibt die auch bei einer gro√üen Brust gut aussehen. ¬†Ich pers√∂nlich hatte danach das Gef√ľhl, tats√§chlich zu gro√üe Br√ľste zu haben, was bei einem guten Laden sicherlich nicht der Fall sein sollte. Das ist nun mal mein K√∂rper und wer Geld mit einem Hochzeitskleid verdienen will, sollte sich mit dem Umgang von Menschen auskennen. Zum Gl√ľck hatte ich die richtigen Leute dabei und wir hatten trotz der Niete viel zu lachen. Daher auch hier noch mal ein dickes Dankesch√∂n!

Ich werde jedenfalls aus meinen Fehlern lernen und den n√§chsten Termin in einem Brautladen pers√∂nlich ausmachen. ūüôā So kann ich vielleicht die eine oder andere b√∂se √úberraschung vorab eliminieren. ūüôā

W√ľnscht mir Gl√ľck!

Alles Liebe

Eure Bibi

Short Story Collab #10 Horror

Short Story Collab #10 Horror

Hey ihr Lieben,

ich denke, mittlerweile wisst ihr was Short Stories sind und wie ihr daran teilnehmen k√∂nnt. Nicht? Nun, dann stattet doch der Seite http://captain-obvious.de/ Besuch ab. Es gibt mittlerweile auch eine dementsprechende Gruppe in Facebook (Short Story Collab – gemeinsam Geschichten schreiben). Neue Schreiberlinge sind gern willkommen und werden mit offenen Armen und Augen empfangen. ūüôā Nur keine Scheu, wir sind eigentlich alle ganz lieb.

Ich selbst stelle hier meinen Beitrag zum Thema Horror vor und diesmal hat es auch nichts mit meiner “Origingeschichte” zu tun, die bisher bei jedem Thema etwas gewachsen ist. Ich muss wohl betonen, dass das Thema vielleicht ein klein wenig umgangen wurde aber seht selbst. F√ľhlt euch frei zu kommentieren, zu loben oder zu kritisieren. Wie immer gilt, ich beisse nicht, versprochen! ūüôā

Viel Spaß!

Eure Bibi

Das Heulen des Windes war in dem alten Herrenhaus in jedem Raum zu h√∂ren. Es gab keinen Strom und jeder Schritt lief Gefahr, den Boden zu durchtreten. Das Geb√§ude, ehemals voller Prunk und Mitbewohnern, die das Geld mit beiden H√§nden in nette Parties, h√ľbschen Frauen und noch h√ľbscheren Gegenst√§nden gesteckt haben sind lange tot oder weitergezogen. Es lag zu weit weg vom Hauptgeschehen, die n√§chste Stadt 2 Autostunden entfernt, als einzige Nachbarn nur der gro√üe, dunkle Wald.

In der Regel verirrte sich hier niemand hierher. In der Regel sind die meisten 12 j√§hrigen M√§dchen um Mitternacht im Bett und schleichen sich nicht heimlich nach drau√üen. In der Regel. Aber es gibt Ausnahmen, wie dieses dunkelhaarige M√§dchen hier beweist. Es war nicht schwer gewesen, dem schlafenden Vater auf dem Sofa, den Schl√ľssel aus der Hemdstasche zu stehlen, noch leichter war es, das Auto leise aus der Garage zu man√∂vrieren und in Richtung der Autobahn zu d√ľsen. Sie war schon immer gro√ü f√ľr ihr Alter gewesen und dank ihrem √§lteren Bruder, der ihr etliche Fahrstunden in seinem alten Pickup auf einem verlassenen Parkplatz geg√∂nnt hatte, stellte das Fahren eines solchen Autos kein Problem dar. Ihrem Vater hat es nie gek√ľmmert, was seine Tochter trieb. Das war schlie√ülich die Aufgabe seiner Frau gewesen, was konnte er daf√ľr, wenn die Mutter ihrer Kinder einfach das Weite suchte und nie wieder etwas von sich h√∂ren lies? Er hatte gewiss anderes zu tun als Kinderm√§dchen f√ľr eine kleine G√∂re zu spielen.

Dem M√§dchen war es meist gleichg√ľltig ob ihr Vater anwesend war oder nicht. Sie hatte ihren Bruder. Das gen√ľgte. Mehr brauchte sie nicht. Jahre hat sie ihren Vater ignoriert und jeder ging seiner Wege. Bis auf diesen Abend. Er hatte, mal wieder, zu viel getrunken und einen H√∂llenl√§rm in der K√ľche veranstaltet. Sie wurde aus dem Schlaf gerissen und taumelte nach unten. Sie trug ein enges Nachthemd aus dem sie eigentlich schon herausgewachsen war. Das M√§dchen tapste die Treppe runter und blieb auf der letzten Stufe stehen. Ihr Vater stand nicht weit von ihr entfernt, wankend und mit verschwommenem Blick, versuchte er zu erkennen wer vor ihm stand. Seine Augen tasteten ihren K√∂rper ab und verengten sich etwas. In dem Moment wusste das M√§dchen, nein sie sp√ľrte es, dass etwas schreckliches passieren wird, wenn sie nicht das Weite suchte.

Sie bewegte sich keinen Millimeter, als der Vater langsam auf sie zutorkelte, immer n√§her kam und sein Gesicht zu einer l√ľsternen Fratze verzog. Viel zu sp√§t, drehte sie sich um und versuchte die Treppen hochzulaufen. Es war zu sp√§t. Er war zu kr√§ftig, zu energisch, als das sie sich wehren konnte. Das einzige was sie sah und sp√ľrte war Schmerz und der unb√§ndige Hass der mit der Pein anwuchs und ihr Innerstes zu zerreissen drohte.

Sie blieb liegen, als der Mann der sich ihr Vater schimpfte von ihr herunter rollte, zum Sofa krabbelte und sich schwer darauf fallen lies. Wenige Minuten sp√§ter, war er weggetreten und r√ľhrte sich nicht mehr. Das M√§dchen wartete noch einige Minuten, bevor sie sich hoch k√§mpfte.

Sie kannte den Weg. Der einzige Ort wo sie Verst√§ndnis fand. Ihr Zufluchtsort vor der Schule. Niemand wusste davon, nicht einmal ihr Bruder, der naiv glaubte, dass seine kleine Schwester jeden Morgen zu Schule ging. Sie waren alle Narren. Sie fand den versteckten Schl√ľssel unter einem zerbrochenem Blumentopf und √∂ffnete die T√ľre. Das laute Knarren h√∂rte sich hohl an und vermischte sich mit dem Jaulen des Windes. Vorsichtig suchten ihre F√ľ√üe den Weg zur anderen Seite des Geb√§udes. Sie kannte ihn auswendig und brauchte ihre Augen nicht um zu wissen wohin sie gehen musste. Vor ihr befand sich nun eine T√ľre, die bei hellem Tageslicht abbl√§tternde gr√ľne Farbe zu Schau stellte. Das M√§dchen klopfte dreimal ehe sie die T√ľre aufzog und die Treppe nach unten ging.

Der Geruch von Moder und Schimmel kitzelte ihre Nase, es war kalt und die K√§lte kroch dem M√§dchen unter das Nachthemd, verursachte ein Kribbeln auf ihrer Haut, das zu einem Brennen anwuchs. Sie hie√ü diese Empfindungen willkommen. Endlich war sie zu Hause. Je weiter sie der Treppe nach unten folgte, desto heller wurde es. Bizarre Schatten huschten √ľber ihrem Kopf hin und her. Es wurde w√§rmer und stickiger. Es roch nach Kupfer und nach etwas anderem, dass sie die ersten Male die sie hierhergef√ľhrt hatten nicht zuordnen konnte. Mittlerweile kannte sie den Ursprung und freudige Erwartung bereitete sich in ihrem Bauch aus. ER wusste was zu tun w√§re. ER konnte¬†ihr helfen ¬†dem Monster, dass ihr weh getan hatte zu bestrafen. ER war ihr Freund. Ein Ausgesto√üener, ein R√§cher, ihr Held.

Das M√§dchen betrat den Raum und l√§chelte. Ihr Zuhause. Ein Ort an dem Monster ihre gerechte Strafe erhielten. Ihr Blick glitt zu einer alten Wanne, die wahllos mitten in den Raum gestellt wurde. Darin lag etwas, das seine gerechte Strafe bereits erhalten hatte. Rote Fl√ľssigkeit tropfte auf den Boden und bildete eine Lache aus Blut.

Sie war zu Hause und bald, bald wird ihre Rache ein Ende finden und das n√§chste Monster den Preis daf√ľr bezahlen.

Short Story Collab #9 Traum

Short Story Collab #9 Traum

Hallo ihr Lieben,

es folgt eine weitere Fortsetzung meiner Geschichte. Diesmal hatte ich erhebliche Probleme, die schon allein damit begonnen hatten, dass mir die Idee fehlte wie ich das Thema Traum darin unterbringen sollte.
Nun, ich habe mein Bestes gegeben und hoffe ihr seid zufrieden damit. Wie immer sind Kommentare, vor allem Besserungsvorschläge sehr willkommen. Bitte traut euch, auch wenn ihr selber nicht schreibt. Es ist ein kleines Hobby von mir, dass nur wachsen kann wenn jemand ehrliche Kritik äußert.

Wer selbst Ideen im Kopf hat, diese auch gern niederschreibt darf sich gerne an der Aktion beteiligen und der Seite: www.captain-obvious.de einen Besuch abstatten. Der “Besitzer” dieser Seite hat das Projekt Short Story Collbab ins Leben gerufen und freut sich bestimmt √ľber neue Schreiberlinge.

Alles Liebe,

Eure Bibi

Es ist seltsam, ich sollte vor K√§lte schlottern, doch alles was ich f√ľhlte war behagliche W√§rme und willkommene Dunkelheit. Wie aus weiter Ferne h√∂re ich Wassertropfen auf hartem Boden aufschlagen und leichtes Rascheln, dass von kleinen Tieren stammen k√∂nnte, in meinem Kopf aber nur Gleichg√ľltigkeit ausl√∂ste.
Ich erinnere mich wage an K√§lte und an Gedanken in meinen Kopf, die meinen rollenden Kopf im Morgenrot der Sonne zeigten, der von l√ľsternem Gr√∂len der Zuschauer begr√ľ√üt wurde.
Jetzt f√ľhlt es sich an, als w√ľrde diese Vorstellung der Vergangenheit angeh√∂ren, dumpf und weit weg. Alles was z√§hlte war das Gef√ľhl der Geborgenheit. Ich √∂ffne meine Augen und sehe √ľber mir ein Meer aus Sterne, die ihr strahlend helles Antlitz wohlwollend auf mich richten.
Irgendwo in meinem Gedächtnis versucht eine leise Stimme mir etwas wichtiges mitzuteilen. Sie ist zu leise und ich nicht gewillt ihr Gehör zu schenken. Ich richte meinen Blick nach oben und blinzle. Hat sich dort etwas bewegt? Ich starre angestrengt in den Himmel, meine Augen beginnen zu tränen aber ich war sicher, etwas gesehen zu haben.
Dort! Es scheint, das Firmament versucht seine Sch√ľtzlinge an einen Ort in der Mitte zu sammeln. Immer mehr Sterne rutschen von ihrem angestammten Platz zur Seite um sich mit dem Nachbarn zu vereinen.
Unruhe macht sich in mir breit, in meinem Bauch sp√ľre ich ein leichtes Ziehen, dass mir entfernt bekannt vorkommt. Das Wort Angst manifestiert sich in meinem sonst leeren Kopf und mein K√∂rper reagiert darauf mit Schwei√üausbr√ľche und zitternden H√§nden. Was ist aus der angenehmen Stille geworden? Der Geborgenheit? Mein Innerstes br√ľllt, was auch immer hier passierte, es soll aufh√∂ren und mich in Ruhe lassen aber es kommt kein Wort √ľber meine Lippen.
Das Chaos √ľber mir formt sich zu einem Gesicht. Mein Ged√§chtnis versucht mit aller Kraft sich an dieses Gesicht zu erinnern. Geh√∂rt zu es einer Person die mir sehr nahe steht? Die Lippen des Sternenbildes bewegen sich, es kommen T√∂ne daraus hervor, die sich zu einem Wort vereinen, einem Namen. Sophia.
Kleine Stiche des Wiedererkennens piksen mein Innerstes. Ich sollte diesen Namen kennen, da bin ich mir sicher. Ich sollte diese Stimme kennen auch darin bin mir sicher. Zu der Angst in meinem Kopf gesellt sich Verwirrung und Erkenntnis. Was geht hier nur vor? Wo bin ich? Wer bin ich?
“Sophia! Wach auf! Sophia! Verdammt!”
“Wir m√ľssen uns beeilen, Athos, die Wachen lassen sich nicht ewig f√ľr dumm verkaufen!”
Eine zweite Stimme mischt sich in das Gedankenchaos und die Erkenntnis darin wird immer gr√∂√üer und zieht mich mehr und mehr in einen Abgrund zur√ľck, dem ich zuvor nur zu gern entkommen bin. Ein Teil von mir begehrt auf, beginnt gegen den Sog anzuk√§mpfen, w√§hrend mein Bauch immer lauter fl√ľstert ich solle aufh√∂ren, loslassen und mich auffangen lassen. Ich h√∂re auf zu k√§mpfen, gebe mich der Dunkelheit hin und lasse mich fallen.

Mit einem kleinen Aufschrei, schlage ich meine Augen auf und sehe in die Augen von Athos und seinen Musketieren.
“Was…?”
“Nun, gn√§diges Fr√§ulein, ich sch√§tze wir sind hier um Sie zu retten.” Ich h√§tte einen ganzen Kuchen darauf verwetten k√∂nnen, dass diese Stimme Aramis geh√∂rte und war froh dar√ľber, dass mein Gehirn wieder angefangen hat “normal” zu arbeiten.

Short Story Collab #8 Zwielicht

Short Story Collab #8 Zwielicht

Hallo ihr Lieben!

wie auch beim letzten Thema, bin ich viel zu spät mit meiner Kurzgeschichte dran. Rinnt euch die Zeit auch so schnell durch die Finger? Falls nicht, hoffe ich doch, ihr seid mir nicht allzu böse.
Wer meine Geschichten bisher verfolgt hat, wei√ü was er zu tun hat. ūüôā Comments, Comments and Comments! Wer sich ganz jungfr√§ulich auf meinem Blog verirrt hat, sollte sich besser die vorherigen Beitr√§ge einmal durchlesen. Am Besten von vorne! ūüėÄ Wie die meisten sicher bef√ľrchten, wird die folgende eine weitere Fortsetzung meiner Lieblingsgeschichte werden.

Seid ihr an weiteren Kurzgeschichten interessiert, kuckt einfach auf die Seite www.captain-obvious.de Dort findet ihr nicht nur die Beitr√§ge des “Erfinders” dieser Themen sondern auch die bisherigen Teilnahmen.

Viel Spaß beim Lesen, Kritisieren und Kommentieren.

Eure Bibi!

Meine H√§nde schimmern in dunklem rot, dort wo das zuvor klebrige Blut eingetrocknet ist, bl√§ttert es bereits ab. Ich wei√ü nicht wie viel Zeit vergangen ist aber es f√ľhlt sich wie ein Jahrhundert an, ehe Athos mich von seinem Blick erl√∂st und einen weiteren, seltsamen zu meinen unzuverl√§ssigen W√§chter neben sich wirft. Schwer zu deuten ob er wirklich ziemlich sauer ist oder einfach nur genervt.
Ehe ich weiter dar√ľber philosophieren konnte, werde ich von einem √ľbelriechendem, stark schwitzendem Mann unsanft auf die Beine gezogen. Falls mein Ged√§chtnis nach diesem ganzen Chaos in meinem Kopf noch richtig funktioniert, m√ľsste dieser √ľbellaunige Typ der Wirt sein.

Ohne das die versammelten M√§nner viele Worte tauschen, werde ich von dem Wirt grob durch eine T√ľre geschubst die sich als, wie ich bereits bef√ľrchtete, mein zuvor verlassenes Gef√§ngnis entpuppt. Ein kleiner Teil meines Ichs, fragt sich bereits ob sie diesen schummerigen Raum je verlassen wird. Die H√§nde des Wirts waren trotz seinem Alter nicht nur stark beharrt sondern auch erstaunlich stark. Sie dr√ľcken mich unsanft auf den Stuhl und fesseln meine beschmutzten H√§nde an die Lehne.

Trotz meines aufgew√ľhlten Zustandes, komme ich nicht umhin das boshafte L√§cheln des alten Mannes zu bemerken ehe er mir seinen breiten R√ľcken zudreht und die T√ľre hinter sich wieder schlie√üt. Frustriert und den Tr√§nen nahe, verstecke ich mein Gesicht hinter meinen Haaren, die nach dem Dreck darin zu urteilen, den Begriff Haare nicht mehr verdient hatten.
Ich war mir der Anwesenheit der M√§nner die sich als Leibgarde des K√∂nigs b√ľrstet mehr als bewusst, w√ľnschte mich aber sehns√ľchtig in mein wirkliches, eigenes Zimmer zur√ľck. Wo immer ich hier war, ich habe bereits ein Menschenleben auf meinem Gewissen und wahrscheinlich bald einen zweiten untergejubelten Mord. Wie komme ich aus dieser Situation wieder raus? Ich wollte doch nur weg von hier. Weg von einem Leben das ich bisher nur aus B√ľchern kannte. Ohne es wahrzunehmen, bahnen sich kleine salzige Wasserstra√üen meinen Wangen hinab und tropfen auf mein l√§diertes Oberteil.

Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie sich einer der Musketiere, wei√ü der Geier wohin sich der W√§chter verzogen hat, in die Hocke geht und mein Kinn mit seiner behandschuhten Hand anhebt damit ich ihm ins Gesicht sehen kann. Athos, nat√ľrlich. Bevor er jedoch ein Wort √ľber seine Lippen bringen kann, platze ich mit den Worten: “Verdammt! Ich hab ihn nicht umgebracht!” heraus. Der Klang meiner Stimme war mehr als nur hysterisch.

“Wei√üt du wer der Mann war, Sophia?” Ich sch√ľttle stumm den Kopf und schaffe es trotzig in seine Augen zu kucken. “Ich habe ihn nicht gesehen, ehe ich √ľber ihn gestolpert bin. Ich wollte …”

“Fliehen?” Seine Mundwinkel heben sich leicht, als w√ľrde er sich √ľber etwas witziges am√ľsieren. Das L√§cheln verschwindet allerdings wieder sehr schnell und formt sich zu einer strengen und besorgten? Miene.

“Er war ein sehr enger Berater des K√∂nigs, der noch heute ein wichtige Botschaft weiterleiten sollte. Wir haben viele Leute befragt, Sophia, niemand hier hat dich je zuvor gesehen, niemand kennt deinen Namen, man findet dich vor dem Toten kniend und mit blutigen H√§nden… Wenn du weiterhin deinen h√ľbschen Kopf auf deinen Schultern tragen willst, solltest du mir sagen, wer du wirklich bist! Was ist deine Aufgabe hier?”

Er sieht mich aufmerksam an, wartet auf meine Antworten, die ich ihm nicht geben kann. Was sollte ich ihm auch sagen? Ich wusste ja selbst nicht, was ich hier verloren habe. Niemand wird mir glauben, dass ich unschuldig bin. Alle werden glauben, dass ich einen Mann kaltbl√ľtig ermordet habe. Und sie werden alle recht haben. Auch wenn es sich nicht um den Mann der nun ein Stockwerk unter mir liegt, handelt.

Nicht nur Athos blickt durchdringen in mein Gesicht, auch die Blicke der anderen Musketiere liegen auf mir. Ich blicke unruhig im Zimmer hin und her und versuche mir eine Antwort zurecht zu legen. Irgendeine. Doch bevor ich auch nur einen Mucks von mir geben kann, wird die T√ľre mit einem lauten Poltern aufgesto√üen und der Wirt stolpert mit demselben Grinsen im Gesicht in das enge Zimmer. Er hat eine handvoll uniformierter M√§nner bei sich, die sich an ihm vorbei in den Raum zw√§ngen. Unsanft werden meine H√§nde von der Lehne des Stuhls befreit, um sie gleich darauf in Ketten in zu legen. Das alles geht so schnell, dass ich nicht mal die Zeit habe in Panik auszubrechen. Ich werde wortlos zur T√ľre gezerrt.
Jetzt sp√ľre ich die Panik ganz deutlich in meinem Bauch rumoren. Ich h√∂re Wortfetzen, dann Handgemenge und pl√∂tzlich schiebt mich Athos hinter seinen R√ľcken. W√ľtend blafft er einen der Soldaten an.

“Was ist Euer Befehl, wohin bringt ihr sie?”

Verwundert √ľber diese Gegenwehr tritt der Angesprochene ein paar Schritte vor und seine Antwort, l√§sst mir alle Haare zu Berge stehen.

“Der K√∂nig klagt sie des Mordes an und befindet sie f√ľr schuldig. Unser Befehl ist es sie in den Kerker zu bringen, wo sie auf ihre Exekution durch Erh√§ngen in der Morgend√§mmerung warten soll.”

Short Story Collab #7 Krimi

Short Story Collab #7 Krimi

Hallo ihr Lieben,

diesmal bin ich alles andere als p√ľnktlich mit meinem Beitrag aber was soll ich sagen? Lieber sp√§t als nie! Viel Spa√ü beim Lesen und wie immer d√ľrft ihr flei√üig kommentieren!¬†

Wie ihr nach den ersten S√§tzen fest stellen werden, handelt es sich wieder um eine Fortsetzung! ūüôā

Lasst es krachen und schwingt doch einmal selbst den Schreiberlingstift!

 

Eure Bibi

 

Es ist dunkel, und durch das offene Fenster str√∂mt kalte Luft in das muffige Zimmer. Wie lange ich hier schon am Fenster sitze und den Mond anschaue, wei√ü ich nicht mehr. Ich f√ľhle mich unendlich m√ľde, wage es aber nicht mich auf das Bett zu legen, dass einen Gro√üteil des Zimmers einnimmt. Ich meine, etwas Schwarzes unter die Bettdecke krabbeln zu sehen und versuche den aufsteigenden Ekel in mir nieder zu k√§mpfen.¬†

Seit zwei Tagen begn√ľge ich mich damit, auf dem Holzstuhl zu schlummern und zwischendurch den Himmel zu betrachten. Athos und seine Kumpanen fanden es wohl das Beste, mich erstmal im Auge zu behalten, bevor sie kl√§ren konnte, wer ich wirklich bin. Nach dem kleinen, blutigen Zwischenfall in dem ich einem Menschen einen Degen in den K√∂rper rammte, versuchte der mysteri√∂se Fremde, der sich als meine Lieblingsfigur in dem Roman “Die Musketiere” vorstellte, mehr √ľber meine Umst√§nde in diesem ganzen Durcheinander herauszufinden. Vergeblich. Mehr als meinen Vornamen und dem erfundenen Besuch meines Verwandten, bekam er aus mir nichts heraus. Irgendwann gab er auf, rief nach seinen M√§nnern und lies mich hier her bringen. L√§sst man das Bett au√üen vor, k√∂nnte es hier fast heimelig sein. Ich bekomme geregelte Mahlzeiten und ausreichend zum Trinken, will heissen leckeren Rotwein, den ich in meinem aufgel√∂sten Zustand willkommen hie√ü.¬†

Das warme Prickeln in meinem Bauch ist allerdings schnell verflogen und lies mich in meinem Gedankenchaos wieder alleine zur√ľck. Ich hoffe inst√§ndig, dass ich mich bald wieder in meinem richtigen Bett befinde, ohne die Gewissheit, dass Blut an meinen H√§nden klebt.¬†

Ich seufze und im selben Moment √∂ffnet sich meine sonst verschlossene und bewachte T√ľre mit einem leisen Quietschen. Verwundert starre ich auf den dunklen T√ľrspalt aber niemand betritt den Raum. Der Holzstuhl knarrt warnend, als ich mich langsam erhebe und zur T√ľre husche. Ich spitze meine Ohren und h√∂re au√üer dem entfernten Lachen in der Gaststube unter meinem “Gef√§ngnis” nichts. Vorsichtig schiebe ich die T√ľre mit meinem Fu√ü etwas auf, bereit jeden Moment zur√ľckzuspringen. In meinem Zimmer ist es zwar dunkel, nichts desto trotz ist es unschwer zu erkennen, dass der Platz vor der T√ľre leer und verlassen ist. Ich wittere eine kleine Chance und bevor ich mir weitere Gedanken machen konnte, flitze ich bereits raus in die Finsternis des Ganges. Ich achte auf jedes Ger√§usch und schleiche mich langsam die Treppe runter. Das Johlen und Singen im Schankraum wird lauter aber von meinen Bewachern oder Athos sehe ich keine Spur. Ich kann mich erinnern, dass mich die Musketiere (welch verwirrender Gedanke, sie beim Namen zu nennen) durch eine Hintert√ľre ins Wirtshaus eskortiert haben. Wo war der nur noch mal? Unsicher drehe ich mich im Kreis und w√§hle eine Richtung. Nach 3 Schritten allerdings liege ich flach auf dem Boden, meine Stirn pocht schmerzhaft, ich blinzle und versuche im Dunklen den Gegenstand zu sehen, √ľber den ich offensichtlich gestolpert bin. Alles was ich bei den fehlenden Lichtverh√§ltnissen sehen kann, sind schummrige Umrisse, die einem Sack Mehl nicht un√§hnlich sind.

ich schaffe es mich aufzurichten und den stumpfen Schmerz an meiner Schl√§fe zu ignorieren. Wer l√§sst denn bitte auch S√§cke mitten im Weg liegen? Ich taste mich langsam mit den Fingern voran und f√ľhle etwas feuchtes, klebriges an meinen Fingerspitzen. Etwas Kaltes und Widerliches breitet sich in meinem K√∂rper aus, zusammen mit einer dunklen Vorahnung. Eigentlich sollte ich meine Chance nutzen, meine Beine in die Hand nehmen und laufen. So weit wie m√∂glich. Wohin war mir vorerst ziemlich egal. Doch alles was mein dummer K√∂rper macht, ist stocksteif auf einem schmutzigen Boden zu knien und wie besessen den Umriss das Etwas oder Jemanden? mit meinen Augen zu fixieren.¬†

Wie aus weiter Ferne h√∂re ich Schritte. Schritte die fest und unaufh√∂rlich in meine Richtung f√ľhren. Ehe ich au√üer Sicht krabbeln konnte, flammt eine Kerze vor mir auf, dann noch eine. Ihr weicher Schein, wirft romantische Schatten an die Wand gegen√ľber, w√§hrend sie den Boden vor mir in grausames Licht taucht. Ein Mann liegt vor mir auf dem R√ľcken, die Arme von sich gestreckt wie erschlagen. Seine Augen blicken leer und kalt an die Decke, sein verdrecktes Hemd ist blutdurchtr√§nkt und etwas silbernes blitzt aus seinem Bauch hervor Der Mann vor mir, wurde offensichtlich erdolcht. Mein Blick wandert von der Leiche zu meinen blutverschmierten H√§nden um darauf zu den Gesichtern der M√§nner zu huschen. Ich blicke in die Augen meines W√§chters, der eigentlich brav vor meiner T√ľre stehen sollte und daneben in blaue Augen die ausdruckslos auf mich herab starren. In was habe ich mich nun hinein man√∂vriert? Kann ich jetzt bitte, bitte wieder zu Hause sein? In meiner Welt? ohne Mord, Musketiere und diesen Mann der mich immer noch mit diesen Augen fixiert.¬†

Short Story Collab #6 Superkräfte

Short Story Collab #6 Superkräfte

Hallo ihr Lieben!

Das Thema f√ľr den Monat Juli ist diesmal Superkr√§fte und ich versuche mit diesem Thema an meine bisherigen zwei Beitr√§ge (short stories 2 + 3) anzukn√ľpfen und somit meine Lieblingsgeschichte “weiterleben” zu lassen. Wer die beiden Kurzgeschichten nicht kennt, sollte vielleicht etwas zur√ľckschollen und sie sich durchlesen ehe er mit der neuesten beginnt.

Wie ich in jedem Post von mir schreibe, sind Kritik, Verbesserungsvorschl√§ge, Lob oder gar Schimpfe immer erlaubt und vor allem gern gesehen! Also nur her damit. Ich bin ein sehr friedfertiger Mensch und werde niemandem wegen einer Kritik einen Kopf k√ľrzer machen, versprochen.

In diesem Sinne viel Spaß beim Lesen und selber schreiben!

Eure Bibi

 

Short Story Collab #6 Superkräfte

Mein Kopf brummt und f√ľhlt sich schwer an. Mein K√∂rper erwacht langsam wieder aus seinem tiefem Schlummer aber noch bin ich nicht bereit, meine Augen aufzuschlagen, aus Angst was ich zu Gesicht bekommen werde. Ich kann mich nur zu gut erinnern, was ich zuvor mit meinen Augen gesehen habe. Besonders an den Teil, in dem ich selbst aktiv wurde. Was habe ich mir nur dabei gedacht, eine Waffe in die Hand zu nehmen? Eine richtige Waffe? In den H√§nden des gr√∂√üten Tollpatsches auf Erden?

Wenn ich daran zur√ľckdenke, sp√ľre ich noch immer das Gewicht in meinen H√§nden, f√ľhle wie sich die Spitze in einen menschlichen K√∂rper bohrt und das pochende Leben darin einfach ausl√∂scht. Ich habe einen Mann umgebracht. An einem Ort der nicht von dieser Zeit zu sein scheint. Ohne dar√ľber nachzudenken, dass ich einen Mord begehe, habe ich mir die Waffe geschnappt um einem Fremden das Leben zu retten. Einem Fremden der mir vielleicht im n√§chsten Moment selber den Degen in mein Herz rammen wird, sobald ich meine Augen √∂ffne. Was habe ich mir nur dabei gedacht? Wieso habe ich mich nicht einfach weggeschlichen und darauf gewartet, dass ich in meiner eigenen, geordneteren Welt wieder “aufwache”?

Mein Gehirn will noch immer nicht glauben, dass ich mich in eine andere Zeit katapultiert habe, w√§hrend mein Bauch mich einen Vollidioten schimpft und mich zwingt den Tatsachen in die Augen zu sehen. W√ľnscht man sich nicht immer, einer der Protagonisten aus seinen Lieblingsb√ľchern zu sein, die durch Zeit und Raum reisen, auf Abenteuerreisen gehen und gegen das B√∂se k√§mpfen? Nun, falls dies wirklich alles wahr sein sollte, dann werde ich solche W√ľnsche nie wieder von mir geben. Ich will am Liebsten nur wieder zu Hause sein, in meinem Bett, in meiner Wohnung.

Das kratzende, nach Heu duftende Material unter mir, was mich am Nacken kitzelt und piekst, ist ganz sicher nicht mein Bett. Ich spitze meine Ohren um herauszufinden ob ich alleine bin. Alles ist still. Oder doch nicht? Ich glaube, ich höre jemanden ruhig ein- und ausatmen, ich bin mir aber nicht sicher. Vielleicht sollte ich mich doch noch eine Weile bewusstlos stellen und wer weiß? Ehe ich mich versehe bin ich doch wieder in meinem Zimmer.

“Ich wei√ü, dass Sie¬†wach sind!”

Verdammt! Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese tiefe ruhige Stimme zu meinem Geretteten gehört. Was nun? Feige darauf beharren doch bewusstlos zu sein? Oder wie eine Lady energisch die Augen aufschlagen, aufstehen und elegant von dannen ziehen?

Ich zwinkere alles andere als energisch und setze mich langsam auf, da es in meinem Kopf immer noch sehr schwummrig ist. Na toll. Nicht einmal DAS bekomme ich respekteinfl√∂√üend hin. Ich kneife ein Auge zu und mustere mein Gegen√ľber. Wie bereits bef√ľrchtet sitzt mir gegen√ľber der Mann, den ich kurz zuvor gerettet habe, in dem ich einen anderen Mann das Leben ausgehaucht habe. Bei dem Gedanken daran wird mir √ľbel und meine H√§nde fangen wieder zu zittern an.

“Wie geht es Ihnen, Madame? Sie¬†sollten vielleicht etwas trinken, Sie sehen¬†aus, als w√ľrden¬†Sie¬†gleich ohnm√§chtig werden.”

Mir wird sachte ein Becher in die Hand geschoben. Ich nippe vorsichtig daran und schmecke schalen Wein. Nach ein paar Schlucken, f√ľhlen sich meine H√§nde sicherer an und ich traue mich wieder dem Mann mir gegen√ľber anzusehen. Schwer zu sagen was in seinem Kopf vorgeht. Er sieht weder ver√§rgert noch erfreut aus, eher nachdenklich und etwas anderes… erstaunt? Er mustert mich noch einige Sekunden mit diesen blauen Augen, die mich eine gef√ľhlte Ewigkeit in meinen Tr√§umen heimgesucht haben,¬†ehe er wieder zu sprechen anf√§ngt.

“Wie ist Ihr¬†Name?”

“√Ąh… Sophia”

“Sophia und?”

“Nur Sophia.” Als ob ich fremden, dahergelaufenen M√§nnern meinen Nachnamen verrate. Was, wenn er meinen Nachnamen recherchiert und herausfindet, dass ich nicht hierher geh√∂re? Wer wei√ü, in welcher Zeit ich mich befinde. Am Ende friste ich meine restlichen Lebensminuten auf einem Scheiterhaufen, mit dem Namen Hexe in¬†meine Haut gebrandmarkt.

Er dreht seinen seltsam witzig aussehenden Hut in seinen Händen hin und her, so dass die große Feder darauf, sachte auf und ab wippt, während er mir in die Augen blickt und ich Misstrauen darin aufblitzen sehe.

“Was machen Sie hier, NUR¬†Sophia? Und wieso tragen Sie diese seltsame Kleidung?”

Berechtigte Frage. Was zum Teufel mache ich hier?

“Ich, √§h bin auf Durchreise zu einem entfernten Verwandten. Er ist sehr krank und w√ľnscht meine Anwesenheit.” Eine lahme Ausrede aber was soll ich sagen? Entschuldigen Sie aber ich bin offensichtlich in der Lage ,durch die Zeit zu reisen und bin in Ihrer Zeit gelandet. Ich h√∂re bereits das Knistern der Feuer auf dem Scheiterhaufen. Die Frage nach meiner Kleidung lasse ich unbeantwortet. Ich bin mir sicher, dass es sich nicht geziemt dies eine Dame zu fragen.

“Sie sind also auf Durchreise. K√∂nnen Sie mir vielleicht auch die Frage beantworten, was Sie wenige Tage zuvor in dieser verlassenen Gasse zu tun hatten, ehe Sie das Interesse eines Diebes geweckt haben um anschlie√üend vor meinen Augen zu verschwinden?”

Mist, unsere erste Begegnung in dieser widerlichen Gasse habe ich ganz vergessen. Ebenso, dass ich mich offensichtlich direkt vor seinen Augen in Rauch aufgel√∂st habe. Was nun? Die bereits bekannte Panik, klopft sachte an die T√ľr zu meinem Bewusstsein und wartet darauf, dass ihr jemand Einlass gew√§hrt. Bevor sie sich mit voller Gewalt gegen diese T√ľre eintreten kann, √∂ffnen sich meine Lippen wie von selbst und ich brauche einige Sekunden, um das Gesagte in meinem Hirn zu verarbeiten.

“Was sollen diese Fragen? Bedankt man sich so bei einer Dame, die gerade Ihr Leben gerettet hat? Wieso wollte Sie der Mann eigentlich t√∂ten? Ach, und wissen Sie was? Ich habe zuvor noch nie jemandem ein Haar gekr√ľmmt, geschweige denn get√∂tet! W√§re ich Sie, w√ľrde ich mich als erstes bedanken, statt seltsame Fragen zu stellen. Sich vorzustellen, w√§re √ľbrigens ebenfalls eine hervorragende Idee gewesen!”

Ich sehe, wie er erst √ľberrascht die Augen aufreisst, ehe er in Gel√§chter ausbricht. Was bitte sch√∂n, ist an dieser Situation lustig. Ich kann nicht behaupten, dass ich mich besonders am√ľsiere. Ich starre ihn w√ľtend an und verschr√§nke meine Arme.

“Entschuldigen Sie. Sie haben nat√ľrlich Recht. Ich stehe in Ihrer Schuld und bedanke mich, dass sie mich vor dem Tode bewahrt haben. Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Athos, Diener des K√∂nigs und Mitglied der Musketiere.”

Er deutet eine Verbeugung an und richtet seine blauen Augen,¬†verschmitzt und zugleich wachsam auf mich. Ob es ihm auff√§llt, dass ich gerade aus allen Wolken falle? Wie ich die Arme um mich lege, als w√ľrde ich frieren? Ich erinnere mich daran, welches Buch ich zu letzt gelesen habe und versuche fieberhaft mir einen Reim auf alles zu machen. Bin ich gar nicht in einer anderen Zeit gelandet sondern sogar in einer komplett anderen Welt? Was, wenn ich, wie auch immer, die geheime Superkraft besitze,¬†mich in eine erfundene Geschichte zu katapultieren? Und wenn ja, wie komme ich wieder zur√ľck? Zuletzt, war es die k√∂rperliche Gewalt¬†und die Todesangst die mich zur√ľckbrachten. Muss ich erst wieder √ľberfallen werden, um nach Hause zu kommen? Was passiert hier nur mit mir?

 

 

20 wissenswerte und umwissenswerte Fakten √ľber meine Person

20 wissenswerte und umwissenswerte Fakten √ľber meine Person

 

Hallo ihr Lieben,

ich bin auf die Idee “20 Dinge √ľber mich” auf Twitter gesto√üen. Ich fand es auf Anhieb unwichtig aber doch sehr witzig, daher trage ich meinen Teil dazu bei. Diejenigen die mich vielleicht pers√∂nlich kennen, werden das eine oder andere sicherlich schon wissen, falls nicht k√∂nnen sie hier ja ihren Horizont √ľber mich erweitern.

Viel Spaß beim Lesen und keine Scheu vorm Nachmachen.

Eure Bibi

 

1. Ich bin 26 Jahre alt und seit meinem 2. Lebensjahr an Rheuma (chronische Polyarthritis) erkrankt.

2.¬†Im Grunde bin ich ein sehr friedvoller und hilfsbereiter Mensch, der gerne f√ľr andere da ist. Ich bin auch diejenige, die die Treppen “runterhumpelt”, weil auf der anderen Seite der Rolltreppe zum Beispiel eine Mama mit Kinderwagen steht, obwohl sich meine geschundene H√ľfte dar√ľber meist lauthals beschwert.

3. Meine größte Angst sind Spinnen in allen erdenklichen Größen und Farben. Das geht soweit, dass ich sehr schnell die Flucht ergreife und man meinem Körper in diesen Momenten nicht anmerkt, dass er eine Großbaustelle ist.

4.¬†Wenn ich einmal nicht vor Spinnen fl√ľchte, verdiene ich meinen Lebensunterhalt als Medizinische Fachangestellte in einer Kinder- und Jugendarztpraxis und bin sehr zufrieden mit meiner Berufswahl, auch wenn ich ohne den Herzmenschen alleine mit dem Gehalt in M√ľnchen, nicht √ľber die Runden kommen w√ľrde.

5.¬†Meine Lieblingst√§tigkeit in meinem Job ist definitiv das Blutabnehmen. Der kleine Vampir in mir erwacht dann grinsend zum Leben¬†und freut sich √ľber jede Vene, die er dann meist auch zielsicher und ohne gro√üe Schmerzen trifft.

6. Eifere ich keiner Vene hinterher und der Feierabend ist eingel√§utet, verbringe ich meine Zeit meistens faul der Couch, mit einem Buch bzw. Kindle in den H√§nden und genie√üe es einfach nur die F√ľ√üe hochzulegen. An Wochenenden oder an Urlaubstagen, liebe ich es mit Freunden ins Kino zu gehen oder eine Bar bzw. Pizzeria unsicher zu machen. Hin und wieder schwinge ich auch den Bleistift und skizziere vor mich hin, was allerdings etwas zu kurz kommt und mir ein paar Gewissensbisse verursacht.

7. Wie in Punkt 6 vielleicht bemerkt bin ich ein sehr verfressener Mensch.

8. Meine Lieblingsb√ľcher sind unter anderem Harry Potter, die Tochter des Magiers und von Diana Gabaldon Feuer und Stein. Es gibt noch einige mehr, die hier aber das Format sprengen w√ľrden. Die B√ľcheregale √§chzen schon etwas unter der Last und ich bin wohl oder √ľbel gezwungen in einer entfernten Zukunft meinen Lieblingen wohl ein eigenes Zimmer zuzugestehen.

9. Mein Lieblingsmanga ist Sailor Moon, bekommt aber von Tränenhase ein klein wenig Konkurrenz.

10.¬†Ich denke die Frage nach meinem Lieblingsanime k√∂nnt ihr euch¬†selbst beantworten. Nat√ľrlich ist das Sailor Moon. Meine gesamte Kindheit baut auf Sailor Moon auf und daher ist es f√ľr mich nat√ľrlich auch selbstverst√§ndlich ein Muss den neuen Anime Sailor Moon Crystal zu kucken.

11.¬†Mein liebster Giblifilm (ja ich trenne das von meinem Lieblingsanime, auch wenn es sich dabei ebenfalls um einen Anime handelt) ist Chihiros Reise ins Zauberland. Es war der erste Giblifilm den ich damals zusammen mit meinem j√ľngeren Bruder gekuckt habe und mein Favorit geblieben. Ich warte gebannt, bis dieses Exemplar nicht nur auf DVD sondern auch auf Blueray zu ergattern ist.

12. Mein Lieblingsdisneyfilm ist ganz klar Arielle die Meerjungfrau. Ich liebe das Meer, finde Meerjungen mehr als cool und die werte Dame hat auch noch rote Haare und eine schöne Singstimme. Ich konnte doch gar nicht widerstehen!

13. Ich höre öfter von meinen Freunden oder auch von Bekannten, dass ich eine sehr tapfere Persönlichkeit sei und bewundernswert mit meiner Krankheit umgehe. Lasst euch davon nicht abschrecken. Ich denke, ich bin nicht tapferer als gesunde Menschen. Es gibt auch Tage an denen ich nicht so tapfer bin, nur sieht mich an diesen Tagen selten jemand. Ansonsten stehe ich jeden Morgen auf wie jeder von uns und versuche halbwegs mit dem Leben klar zu kommen. In dem Sinne denke ich, wir sind alle tapfer oder?

14. Ich lache gern und viel, selbst wenn der Moment nur einen kurzen Lacher wert ist, kringle ich mich ziemlich oft förmlich auf dem Boden.

15.¬†Mein gr√∂√üter Feind ist wohl oder √ľbel mein Stolz. Nicht selten h√∂re ich von meinen lieben Freunden, dass mein Stolz mich irgendwann noch ins Grab bringen wird. Nun ich hoffe doch, dass er mich nicht ins Grab bringt aber sie haben leider recht damit, dass mein Stolz sich selten dem Verstand beugt. Er hilft mir zwar jeden Morgen trotz Schmerzen in den Gelenken aufzustehen und ein L√§cheln zu Stande zu bringen. Allerdings muss ich es auch oft ausbaden, wenn ich mal wieder viel zu lange und viel zu weit gelaufen bin, um meinen Mitmenschen zu beweisen, dass ich keine k√∂rperliche Einschr√§nkungen habe.

16. Ich bin diejenige, die beim Lesen eines traurigen Buches in Tränen ausbringt, ganz gleich ob in der U-Bahn oder zu Hause. Ich bin eben sehr nah am Wasser gebaut.

17.¬†F√ľhle ich mich unbeobachtet oder bin zu sehr in einer Musik vertieft, passiert es √∂fters, dass ich laut mitsinge. Ganz gleich ob ich die T√∂ne treffe oder nicht. Ein oder zweimal ist mir dies sogar in den √∂ffentlichen Verkehrsmitteln passiert, allerdings sa√ü niemand darin der mich pers√∂nlich kannte. Puh!

18.¬†Wer mir Pflanzen schenken will, sollte darauf achten, dass diese kein h√§ufiges Gie√üen ben√∂tigen. Ich habe keinen gr√ľnen Daumen, und die einzigen Pflanzen die in meiner Pflege wachsen und wachsen sind Aloeverpflanzen, die man alle 3-4 Wochen lang mit Wasser versorgen muss.

19.¬†Mein Lebenstraum ist es den Rest meines Daseins am Meer verbringen zu k√∂nnen. Irgendwo, wo es immer warm ist und ich das rauschen des Wassers h√∂ren kann. Wer wei√ü, vielleicht habe ich eines Tages Gl√ľck und der gr√∂√üte meiner Tr√§ume erf√ľllt sich irgendwann.

20.¬†Ich hatte das Gl√ľck in meinem Leben Menschen kennen zu lernen die mir sehr ans Herz gewachsen sind und die ich nicht mehr missen m√∂chte. Sch√∂n, dass es euch gibt. Ganz gro√üen Dank auch an meinen ganz besonderen Lieblingsmensch, der immer Hinter mir steht und mich gegebenenfalls vorw√§rts schubst, wenn der kleine Feigling in mir die Flucht ergreifen will.

Short Story Collab #5 Märchen

Short Story Collab #5 Märchen

Hallo ihr Lieben,

Habt ihr mich schon vermisst? Der letzte Beitrag liegt schon etwas zur√ľck, was haupts√§chlich daran lag, dass ich meine grauen Gehirnzellen nicht anspornen konnte etwas zu dem Thema im Mai “virtuelle Realit√§t” zu schreiben. ¬†Ich hoffe meine Kreativit√§t l√§sst mich bei dem neuen Thema “M√§rchen” nicht im Stich und kann den einen oder anderen mit dieser Geschichte ein kleines L√§cheln ins Gesicht zaubern.

Viel Spaß beim Lesen und selber Schreiben!

Eure Bibi

 

Der verlorene Garten

 

Es war einmal, vor langer Zeit ein M√§dchen, dass leben sollte f√ľr die Ewigkeit. Ihr Dasein diente einzig und allein dazu, einen Garten zu pflegen, der so sch√∂n und voller Vielfalt war, wie es noch kein Mensch auf Erden lange Zeit zu sehen bekam.

Des Tages arbeitete das M√§dchen¬†hart, j√§tete Unkraut, beschnitt die Blumen, s√§te neue Samen, fl√ľsterte mit den B√§umen und k√ľrzte das Gras, wenn es ihr verspielt in den Kniekehlen kitzelte. Nachts lag es¬†auf ihrem Bett aus weichen Rosenbl√§ttern und blickte in den sternklaren Himmel, um immer und immer wieder die Sterne zu z√§hlen. An diesem Ort brauchte man kein Dach √ľber den Kopf. Es gab keinen Regen und keinen Schnee. An diesem Ort schien immer die Sonne. Versorgte den Garten mit w√§rmenden Sonnenstrahlen.

Das M√§dchen war gl√ľcklich an diesem Ort. Sie f√ľhlte sich nicht einsam und sie k√ľmmerte sich nicht¬†um die Jahre die an ihr vor√ľber strichen ohne ein einziges graues Haar oder eine kleine Falte in ihrem makellosen Gesicht zu hinterlassen. Sie wusste nicht einmal, wie sie an diesen sonderbaren Ort gekommen war. Sie liebte es im Gras zu knien und den Blumen beim wachsen zuzusehen. Sie f√ľhlte den Herzschlag der Samen, wenn sie es sanft in die Erde dr√ľckte. Konnte das Seufzen der Pflanzen h√∂ren, wenn sie ihnen aus dem Brunnen in der Mitte des Gartens, etwas zu trinken gab.

Sie war gl√ľcklich. Jeden einzelnen Tag. Bis ein Tag anbrach der alles √§nderte. Noch nie hatte jemand zuvor die Pforte, die zu diesem Ort f√ľhrte, √ľberschritten. An diesem Tag jedoch wagte sich ein kleiner Junge tapfer durch das Gestr√ľpp um verbl√ľfft die Augen aufzureissen. Seine Freunde hatten ihn ausgelacht, als er verk√ľndete er w√ľrde √ľber diese Mauer voller Unkraut und Dornen klettern um den Ort, der sich dahinter versteckte zu erkunden. Sie glaubten nicht daran, dass er es mit seinen kurzen Beinchen schaffen w√ľrde. Schlie√ülich hat es noch nie jemand geschafft, dieses Hindernis zu √ľberwinden.

Er aber schaffte es und konnte seinen Augen nicht trauen. Wie konnte ein Ort wie dieser, voller Blumen, B√§umen und Str√§uchern existieren w√§hrend seine Eltern mit vergebener M√ľh versuchten, Gem√ľse anzubauen. Nichts gedieh in dieser Stadt, die der Junge sein Zuhause nannte. Es gab kein sauberes Trinkwasser und viele Familien haben die Stadt bereits verlassen um woanders ihr Gl√ľck zu versuchen.

Er f√ľhlte sich wie im Paradies, schmeckte die Kirschen und √Ąpfel die prall und reif an den B√§umen hingen, bereits auf seiner Zunge. Konnte sp√ľren, wie das kalte Nass des Brunnens seinen Hals hinunterlief. Bevor er einen weiteren Gedanken verschwendete, wie dieser Ort hier existieren konnte, rannte er los. Er musste es seinen Eltern einfach zeigen. Dies hier war das Wunder, auf dass sie alle gehofft hatten.

Unter gro√üer Anstrengung kletterte er wieder auf die andere Seite, ignorierte das Rufen seiner Freunde und rannte zu seinen Eltern. Diese glaubten anfangs ihrem Sohn nicht, dass es einen Ort geben soll, der ihren Hunger und Durst stillen konnte. Aus Liebe zu ihrem Kind folgten sie ihm bis zu der Mauer die √ľber und √ľber mit Dornengestr√ľpp bewachsen war. Mit Hacke und Schaufel arbeitete sich die Familie durch die Mauer und konnten nicht glauben, was sie mit ihren Augen sahen. Sie fielen auf die Knie und dankten dem Herrn f√ľr sein Wunder.

Das M√§dchen erschrak √ľber den Besuch und versteckte sich hinter den B√§umen. Sie hatte schreckliche Angst. Was wollten diese Unbekannten hier? Wollten sie dem Garten, ihrem Freund,¬†wehtun?

Die Eltern des Jungen, sammelten so viel ¬†Obst ein wie sie tragen konnten, sch√∂pften so viel Wasser wie sie trinken konnten und machten sich auf den Weg in die Stadt um allen zu verk√ľnden, dass das Hungern nun ein Ende hatte. ¬†Der Garten w√§re die Rettung f√ľr diese Menschen gewesen. H√§tten sich die Menschen nur nicht wie Menschen verhalten. Die Gier der Hungernden war uners√§ttlich. Sie st√ľrmten regelrecht den Garten. Rissen die Fr√ľchte von den¬†B√§umen, ganz gleich ob sie ganze Zweige dabei ausrissen. Sie trampelten die mit Liebe gepflegten Blumen nieder und √ľberh√∂rten das Schluchzen des M√§dchen, dass auf die Knie gefallen war. Sie bettelte, sie schrie man m√∂ge ihre Pflanzen am Leben lassen. Niemand schien das arme M√§dchen zu sehen, geschweige denn zu h√∂ren.

Es kam wie es kommen musste. Die Stadtbewohner fielen √ľber den Garten her wie eine Heuschreckenplage und hinterlie√üen einen Garten, ohne Samen, ohne Blumen mit kahlen B√§umen und einem versiegten Brunnen.

Die Bewohner hatten die Vorräte des Gartens innerhalb weniger Monate aufgebraucht. Die Hungersnot ging weiter. Ohne einen weiteren Gedanken an den sonst so fruchtbaren Ort zu verschwenden, zogen sie weiter. Auf der Suche nach einem Ort der ihnen Essen und Trank bieten konnte ohne zu wissen, dass sie diesen Ort bereits gefunden hatten, wären sie gedankenvoller damit umgegangen.

Die Stadt verfiel. Niemand lebte mehr dort. Niemand bis auf das Mädchen. Sie pflanzte Samen, die sie durch langes Suchen gefunden hatte. Grub den Brunnen tiefer um die kleinen Zöglinge mit Wasser zu versorgen. Monate vergingen und das Mädchen arbeitete hart, um den Garten wieder zu dem zu machen, was er einmal gewesen ist. Doch der Boden blieb blieb ohne Leben, der Brunnen ohne Wasser.

Das M√§dchen war am Boden zerst√∂rt und es begann zu weinen. Nie zuvor hatte sie je eine Tr√§ne vergie√üen m√ľssen an diesem besonderen Ort. Sie weinte und weinte bis nichts mehr von dem M√§dchen au√üer ihren Tr√§nen √ľbrig blieb. Die Tr√§nen des M√§dchens sprenkelten den staubtrockenen Boden und gaben den totgeglaubten Z√∂glingen neue Energie. Auch wenn es schwer f√ľr die kleinen Samen werden w√ľrde, sie w√ľrden sprie√üen, um des M√§dchens willen, dass doch nur f√ľr immer gl√ľcklich sein wollte, an einem Ort der andere gl√ľcklich machen konnte, wenn man ihn nur mit gen√ľgend Liebe behandeln w√ľrde.

 

ENDE

 

Short Story Collab #3 MUT

Short Story Collab #3 MUT

Hallo ihr Lieben,

Es ist wieder so weit. Ein neuer Monat, ein neues Thema. Dieses Mal steht der Begriff Mut im Mittelpunkt. Ich denke damit l√§sst sich sehr gut und vielseitig arbeiten. Schlie√ülich liegt es immer im Auge des Betrachters was mutig ist und was nicht. Was bedeutet f√ľr euch Mut?

Ein ziemlich großer Teil von mir hängt noch immer an der Shortstory vom letzten Monat und daher habe ich mich entschlossen meine Gedanken zu dieser Geschichte weiterzuspinnen, im Zeichen des Mutes sozusagen. Viel Spaß beim Lesen und scheut euch nicht vor Kritik. Oft sind meine Gedanken schneller als meine tippenden Händen und Fehler schleichen sich sehr schnell dazwischen. Also seid ruhig mutig. Ich beisse auch nicht versprochen.

Eure Bibi

 

Es ist nun schon 3 Wochen her und ich kann mir noch immer nicht erkl√§ren wie diese abgenutzte und offensichtlich sehr alte Feldflasche in meinen Besitz gekommen ist. Ich bin zwar ein sehr fantasievoller Mensch aber an Zeitreisen glaube ich nun wirklich nicht. K√∂nnte es nicht sein, dass ich im Tiefschlaf das Haus verlassen habe und die Flasche einem armen Obdachlosen abgeluchst habe? Das w√ľrde auch erkl√§ren wieso sich die Feuchtigkeit und der Regen in meinem Traum so real angef√ľhlt haben. Das einzige was dagegen spricht ist nur, ich bin noch nie geschlafwandelt. So etwas h√§tten mir meine Eltern doch nicht verschwiegen. Oder ist das meine neue Art den Stress abzubauen? Fragen √ľber Fragen¬†die mich keinen Schritt weiter bringen.¬†Es w√§re das kl√ľgste, wenn ich dieses Thema ad acta legen w√ľrde. Ich habe schlie√ülich genug Probleme um die ich mich k√ľmmern muss. Das sage ich mir in den letzten Wochen immer und immer wieder vor, wie ein Mantra und doch tauchen in meinen Tr√§umen geh√§uft blaue Augen und blitzende Degen auf. Ein Zeichen daf√ľr, dass ich bereit f√ľr die Klappse bin.

Ich hole den einzigen Gegenstand hervor, der nicht mir geh√∂rt und betrachte erneut den zerschrammten Flaschenverschluss, fahre mit meinen Fingern √ľber das gegerbte Leder. Ich habe mich seit Wochen nicht mehr getraut diese Flasche anzufassen als w√§re es ein verwunschener Gegenstand. Ein letzter Seufzer und die Flasche wandert wieder in die Schublade. Es war ein langer Tag und mein K√∂rper verlangt nach Schlaf. Kaum habe ich meinen Kopf aufs Kissen gebettet, fallen mir auch schon die Augen zu.

Vogelgezwitscher dringt an meine Ohren und meine Nase vernimmt einen ekelerregenden, seltsam vertrauten Gestank wahr der mir alle Haare zu Berges stehen l√§sst. Nur keine Panik. Es ist nur ein dummer Traum. Ich blinzle einmal kurz und sehe mich um. Es ist helllichter Tag und die Sonne scheint warm in meinen Nacken. Ich stehe in einer beunruhigend vertrauten Gasse auf einen unregelm√§√üigen Boden. Ich sehe einmal an mir herab. Wie vermutet trage ich meinen Schlafanzug. Zum Gl√ľck habe ich heute auf den gepunkteten Pyjama verzichtet und meine Shorts und ein schwarzes T-Shirt gew√§hlt. Bin ich nun wirklich verr√ľckt? Schlafwandle ich wieder? Ich schmecke gerade zu die aufsteigenden Panik auf meiner Zunge. Dies kann unm√∂glich real sein. Es ist die selbe Gasse wie vor drei Wochen. Da bin ich mir ziemlich sicher. Gut, es war das letzte Mal dunkel und der Regen trug nicht gerade zur Orientierung bei aber tief in mir bin ich mir sicher. Mein Bauchgef√ľhl hat sich noch nie get√§uscht, ich muss es wissen, schlie√ülich bin ich oft genug auf die Nase gefallen, weil ich diesem Gef√ľhl eben nicht vertraut habe. Die aufsteigende Panik in mir wird st√§rker. Was wenn ich wieder jemanden begegne der keine Skrupel hat mit die Kehle aufzuschneiden? Und was genau w√ľrde passieren wenn ich hier sterben w√ľrde? Wacht mein schlafender K√∂rper auf oder wird meine Leiche Monate sp√§ter von einem Nachbarn entdeckt, der sich √ľber die √ľberquellende Post beschweren will? Wieso mache ich mir √ľberhaupt Gedanken √ľber so etwas Absurdes. Nat√ľrlich ist es NICHT real. Wie sollte es auch. Es ist v√∂llig unlogisch. W√§hrend mein Bauchgef√ľhl noch immer mit meiner Logik um die Oberhand k√§mpft, h√∂re ich Stimmen. Laute und so wie es scheint sehr w√ľtende Stimmen und ein Ger√§usch wie wenn Metall auf Metall trifft. Was tun? Auf leisen Sohlen in die andere Richtung schleichen und beten, dass dieser Traum ein baldiges Ende hat? Aber was wenn dort jemand ernsthaft Hilfe braucht. So wie ich damals Hilfe gebraucht habe? Mein Herz h√§mmert in meiner Brust als ich mich Schritt f√ľr Schritt in die Richtung wage von der ich mich wohl am Besten fern halten sollte. Am Ende der Gasse angekommen sp√§he ich vorsichtig um die Ecke und weiche erschrocken zur√ľck. Vor mir erstreckt sich ein gro√üer Platz der einem Markplatz nicht un√§hnlich ist. In der Mitte pl√§tschert ein Brunnen munter vor sich hin w√§hrend links daneben zwei dunkel gekleidete M√§nner verbissen mit ihren Degen aufeinander losst√ľrzen. Einer dieser M√§nner sieht meinem Retter verbl√ľffend √§hnlich. Halblange Haare die ihm ins Gesicht fallen w√§hrend seine blauen Augen w√ľtend den Schritten seines Gegner folgen.¬†Sein blauer Mantel ist mit Schlamm und anderen dunklen Flecken bespritzt und flattert um seine Schultern. Hinter ihm liegt einsam ein Hut mit einer ziemlich gro√üen und wie ich finde nicht sehr sch√∂nen Feder. Der Gegner meines vermutlichen Retters aus dem letzten Traum scheint ebenfalls nicht sehr guter Laune zu sein. Er hat langes schwarzes Haar, welches er mit einem Band zur√ľckgebunden hatte. Sein Mantel mochte edel ausgesehen haben bevor es Bekanntschaft mit einem Degen gemacht hat. Tiefe Risse durchziehen den schwarzen Stoff und geben den Blick auf kniehohe Lederstiefel frei. Gut zu wissen, dass wenigstens meine Phantasie noch guten Geschmack hat. Einen Wimpernschlag sp√§ter schreit mein nun hutloser, schlammbespritzter Retter auf und sinkt zu Boden. Blut spritzt auf den schlammigen Boden und nimmt eine ekelhafte br√§unliche Farbe an. Mister Pferdeschwanz muss ihn wohl √ľbel an der Seite erwischt haben. Mein Herz schaltet noch eine Stufe h√∂her und pumpt noch schneller das¬†Blut durch meine Venen w√§hrend ein Degen mit einem Fu√ütritt zur Seite geschleudert wird und vor meinen F√ľ√üen zum Stehen kommt. Wie durch ein Wunder haben mich die beiden M√§nner noch nicht gesehen, was entweder bedeutet dass beide arg kurzsichtig sein m√ľssen oder sie in ihrem Wahn nichts und niemanden um sich wahrnehmen. Ich stehe keine 10 Meter von ihnen entfernt. Ich sehe wie der zerfetzte Mantel des schwarzhaarigen zu Boden gleitet und den Degen zum finalen Stich anhebt. Ehe mein Hirn ein lautes “Nein, lauf weg” von sich geben konnte greifen meine H√§nde nach dem Degen. Er f√ľhlt sich klobig und schwer an. Ein weiter Wimpernschlag und ich sehe mich selbst wie ich losspurte, den Degen mit beiden H√§nden umfasse und es sich in den Seite des Mannes mit dem Pferdeschwanzes bohrt. Mit einem sehr unschicklichen Quietschen lasse ich den Griff des Degens los und stolpere r√ľckw√§rts. Der von mir durchbohrte K√∂rper seufzt auf und sinkt zu Boden. Seine F√ľ√üe zucken und Blut vermischt mit sich mit dem bereits vergossenem Blut im Schlamm. Ich blicke schockiert auf meine zitternden H√§nde. Was habe ich gerade getan? Habe ich ihn wirklich umgebracht? Tr√§nen laufen mir √ľber die Wangen. Ich schluchze auf und blicke in verdutzt dreinblickende blaue Augen bevor mein K√∂rper kapituliert und mit einem lauten aufheulen zitternd zu Boden st√ľrzt.