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Short Story Collab #8 Zwielicht

Short Story Collab #8 Zwielicht

Hallo ihr Lieben!

wie auch beim letzten Thema, bin ich viel zu spät mit meiner Kurzgeschichte dran. Rinnt euch die Zeit auch so schnell durch die Finger? Falls nicht, hoffe ich doch, ihr seid mir nicht allzu böse.
Wer meine Geschichten bisher verfolgt hat, weiß was er zu tun hat. 🙂 Comments, Comments and Comments! Wer sich ganz jungfräulich auf meinem Blog verirrt hat, sollte sich besser die vorherigen Beiträge einmal durchlesen. Am Besten von vorne! 😀 Wie die meisten sicher befürchten, wird die folgende eine weitere Fortsetzung meiner Lieblingsgeschichte werden.

Seid ihr an weiteren Kurzgeschichten interessiert, kuckt einfach auf die Seite www.captain-obvious.de Dort findet ihr nicht nur die Beiträge des “Erfinders” dieser Themen sondern auch die bisherigen Teilnahmen.

Viel Spaß beim Lesen, Kritisieren und Kommentieren.

Eure Bibi!

Meine Hände schimmern in dunklem rot, dort wo das zuvor klebrige Blut eingetrocknet ist, blättert es bereits ab. Ich weiß nicht wie viel Zeit vergangen ist aber es fühlt sich wie ein Jahrhundert an, ehe Athos mich von seinem Blick erlöst und einen weiteren, seltsamen zu meinen unzuverlässigen Wächter neben sich wirft. Schwer zu deuten ob er wirklich ziemlich sauer ist oder einfach nur genervt.
Ehe ich weiter darüber philosophieren konnte, werde ich von einem übelriechendem, stark schwitzendem Mann unsanft auf die Beine gezogen. Falls mein Gedächtnis nach diesem ganzen Chaos in meinem Kopf noch richtig funktioniert, müsste dieser übellaunige Typ der Wirt sein.

Ohne das die versammelten Männer viele Worte tauschen, werde ich von dem Wirt grob durch eine Türe geschubst die sich als, wie ich bereits befürchtete, mein zuvor verlassenes Gefängnis entpuppt. Ein kleiner Teil meines Ichs, fragt sich bereits ob sie diesen schummerigen Raum je verlassen wird. Die Hände des Wirts waren trotz seinem Alter nicht nur stark beharrt sondern auch erstaunlich stark. Sie drücken mich unsanft auf den Stuhl und fesseln meine beschmutzten Hände an die Lehne.

Trotz meines aufgewühlten Zustandes, komme ich nicht umhin das boshafte Lächeln des alten Mannes zu bemerken ehe er mir seinen breiten Rücken zudreht und die Türe hinter sich wieder schließt. Frustriert und den Tränen nahe, verstecke ich mein Gesicht hinter meinen Haaren, die nach dem Dreck darin zu urteilen, den Begriff Haare nicht mehr verdient hatten.
Ich war mir der Anwesenheit der Männer die sich als Leibgarde des Königs bürstet mehr als bewusst, wünschte mich aber sehnsüchtig in mein wirkliches, eigenes Zimmer zurück. Wo immer ich hier war, ich habe bereits ein Menschenleben auf meinem Gewissen und wahrscheinlich bald einen zweiten untergejubelten Mord. Wie komme ich aus dieser Situation wieder raus? Ich wollte doch nur weg von hier. Weg von einem Leben das ich bisher nur aus Büchern kannte. Ohne es wahrzunehmen, bahnen sich kleine salzige Wasserstraßen meinen Wangen hinab und tropfen auf mein lädiertes Oberteil.

Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie sich einer der Musketiere, weiß der Geier wohin sich der Wächter verzogen hat, in die Hocke geht und mein Kinn mit seiner behandschuhten Hand anhebt damit ich ihm ins Gesicht sehen kann. Athos, natürlich. Bevor er jedoch ein Wort über seine Lippen bringen kann, platze ich mit den Worten: “Verdammt! Ich hab ihn nicht umgebracht!” heraus. Der Klang meiner Stimme war mehr als nur hysterisch.

“Weißt du wer der Mann war, Sophia?” Ich schüttle stumm den Kopf und schaffe es trotzig in seine Augen zu kucken. “Ich habe ihn nicht gesehen, ehe ich über ihn gestolpert bin. Ich wollte …”

“Fliehen?” Seine Mundwinkel heben sich leicht, als würde er sich über etwas witziges amüsieren. Das Lächeln verschwindet allerdings wieder sehr schnell und formt sich zu einer strengen und besorgten? Miene.

“Er war ein sehr enger Berater des Königs, der noch heute ein wichtige Botschaft weiterleiten sollte. Wir haben viele Leute befragt, Sophia, niemand hier hat dich je zuvor gesehen, niemand kennt deinen Namen, man findet dich vor dem Toten kniend und mit blutigen Händen… Wenn du weiterhin deinen hübschen Kopf auf deinen Schultern tragen willst, solltest du mir sagen, wer du wirklich bist! Was ist deine Aufgabe hier?”

Er sieht mich aufmerksam an, wartet auf meine Antworten, die ich ihm nicht geben kann. Was sollte ich ihm auch sagen? Ich wusste ja selbst nicht, was ich hier verloren habe. Niemand wird mir glauben, dass ich unschuldig bin. Alle werden glauben, dass ich einen Mann kaltblütig ermordet habe. Und sie werden alle recht haben. Auch wenn es sich nicht um den Mann der nun ein Stockwerk unter mir liegt, handelt.

Nicht nur Athos blickt durchdringen in mein Gesicht, auch die Blicke der anderen Musketiere liegen auf mir. Ich blicke unruhig im Zimmer hin und her und versuche mir eine Antwort zurecht zu legen. Irgendeine. Doch bevor ich auch nur einen Mucks von mir geben kann, wird die Türe mit einem lauten Poltern aufgestoßen und der Wirt stolpert mit demselben Grinsen im Gesicht in das enge Zimmer. Er hat eine handvoll uniformierter Männer bei sich, die sich an ihm vorbei in den Raum zwängen. Unsanft werden meine Hände von der Lehne des Stuhls befreit, um sie gleich darauf in Ketten in zu legen. Das alles geht so schnell, dass ich nicht mal die Zeit habe in Panik auszubrechen. Ich werde wortlos zur Türe gezerrt.
Jetzt spüre ich die Panik ganz deutlich in meinem Bauch rumoren. Ich höre Wortfetzen, dann Handgemenge und plötzlich schiebt mich Athos hinter seinen Rücken. Wütend blafft er einen der Soldaten an.

“Was ist Euer Befehl, wohin bringt ihr sie?”

Verwundert über diese Gegenwehr tritt der Angesprochene ein paar Schritte vor und seine Antwort, lässt mir alle Haare zu Berge stehen.

“Der König klagt sie des Mordes an und befindet sie für schuldig. Unser Befehl ist es sie in den Kerker zu bringen, wo sie auf ihre Exekution durch Erhängen in der Morgendämmerung warten soll.”