Monthly Archives: November 2014

Short Story Collab #10 Horror

Short Story Collab #10 Horror

Hey ihr Lieben,

ich denke, mittlerweile wisst ihr was Short Stories sind und wie ihr daran teilnehmen könnt. Nicht? Nun, dann stattet doch der Seite http://captain-obvious.de/ Besuch ab. Es gibt mittlerweile auch eine dementsprechende Gruppe in Facebook (Short Story Collab – gemeinsam Geschichten schreiben). Neue Schreiberlinge sind gern willkommen und werden mit offenen Armen und Augen empfangen. 🙂 Nur keine Scheu, wir sind eigentlich alle ganz lieb.

Ich selbst stelle hier meinen Beitrag zum Thema Horror vor und diesmal hat es auch nichts mit meiner “Origingeschichte” zu tun, die bisher bei jedem Thema etwas gewachsen ist. Ich muss wohl betonen, dass das Thema vielleicht ein klein wenig umgangen wurde aber seht selbst. FĂŒhlt euch frei zu kommentieren, zu loben oder zu kritisieren. Wie immer gilt, ich beisse nicht, versprochen! 🙂

Viel Spaß!

Eure Bibi

Das Heulen des Windes war in dem alten Herrenhaus in jedem Raum zu hören. Es gab keinen Strom und jeder Schritt lief Gefahr, den Boden zu durchtreten. Das GebĂ€ude, ehemals voller Prunk und Mitbewohnern, die das Geld mit beiden HĂ€nden in nette Parties, hĂŒbschen Frauen und noch hĂŒbscheren GegenstĂ€nden gesteckt haben sind lange tot oder weitergezogen. Es lag zu weit weg vom Hauptgeschehen, die nĂ€chste Stadt 2 Autostunden entfernt, als einzige Nachbarn nur der große, dunkle Wald.

In der Regel verirrte sich hier niemand hierher. In der Regel sind die meisten 12 jĂ€hrigen MĂ€dchen um Mitternacht im Bett und schleichen sich nicht heimlich nach draußen. In der Regel. Aber es gibt Ausnahmen, wie dieses dunkelhaarige MĂ€dchen hier beweist. Es war nicht schwer gewesen, dem schlafenden Vater auf dem Sofa, den SchlĂŒssel aus der Hemdstasche zu stehlen, noch leichter war es, das Auto leise aus der Garage zu manövrieren und in Richtung der Autobahn zu dĂŒsen. Sie war schon immer groß fĂŒr ihr Alter gewesen und dank ihrem Ă€lteren Bruder, der ihr etliche Fahrstunden in seinem alten Pickup auf einem verlassenen Parkplatz gegönnt hatte, stellte das Fahren eines solchen Autos kein Problem dar. Ihrem Vater hat es nie gekĂŒmmert, was seine Tochter trieb. Das war schließlich die Aufgabe seiner Frau gewesen, was konnte er dafĂŒr, wenn die Mutter ihrer Kinder einfach das Weite suchte und nie wieder etwas von sich hören lies? Er hatte gewiss anderes zu tun als KindermĂ€dchen fĂŒr eine kleine Göre zu spielen.

Dem MĂ€dchen war es meist gleichgĂŒltig ob ihr Vater anwesend war oder nicht. Sie hatte ihren Bruder. Das genĂŒgte. Mehr brauchte sie nicht. Jahre hat sie ihren Vater ignoriert und jeder ging seiner Wege. Bis auf diesen Abend. Er hatte, mal wieder, zu viel getrunken und einen HöllenlĂ€rm in der KĂŒche veranstaltet. Sie wurde aus dem Schlaf gerissen und taumelte nach unten. Sie trug ein enges Nachthemd aus dem sie eigentlich schon herausgewachsen war. Das MĂ€dchen tapste die Treppe runter und blieb auf der letzten Stufe stehen. Ihr Vater stand nicht weit von ihr entfernt, wankend und mit verschwommenem Blick, versuchte er zu erkennen wer vor ihm stand. Seine Augen tasteten ihren Körper ab und verengten sich etwas. In dem Moment wusste das MĂ€dchen, nein sie spĂŒrte es, dass etwas schreckliches passieren wird, wenn sie nicht das Weite suchte.

Sie bewegte sich keinen Millimeter, als der Vater langsam auf sie zutorkelte, immer nĂ€her kam und sein Gesicht zu einer lĂŒsternen Fratze verzog. Viel zu spĂ€t, drehte sie sich um und versuchte die Treppen hochzulaufen. Es war zu spĂ€t. Er war zu krĂ€ftig, zu energisch, als das sie sich wehren konnte. Das einzige was sie sah und spĂŒrte war Schmerz und der unbĂ€ndige Hass der mit der Pein anwuchs und ihr Innerstes zu zerreissen drohte.

Sie blieb liegen, als der Mann der sich ihr Vater schimpfte von ihr herunter rollte, zum Sofa krabbelte und sich schwer darauf fallen lies. Wenige Minuten spĂ€ter, war er weggetreten und rĂŒhrte sich nicht mehr. Das MĂ€dchen wartete noch einige Minuten, bevor sie sich hoch kĂ€mpfte.

Sie kannte den Weg. Der einzige Ort wo sie VerstĂ€ndnis fand. Ihr Zufluchtsort vor der Schule. Niemand wusste davon, nicht einmal ihr Bruder, der naiv glaubte, dass seine kleine Schwester jeden Morgen zu Schule ging. Sie waren alle Narren. Sie fand den versteckten SchlĂŒssel unter einem zerbrochenem Blumentopf und öffnete die TĂŒre. Das laute Knarren hörte sich hohl an und vermischte sich mit dem Jaulen des Windes. Vorsichtig suchten ihre FĂŒĂŸe den Weg zur anderen Seite des GebĂ€udes. Sie kannte ihn auswendig und brauchte ihre Augen nicht um zu wissen wohin sie gehen musste. Vor ihr befand sich nun eine TĂŒre, die bei hellem Tageslicht abblĂ€tternde grĂŒne Farbe zu Schau stellte. Das MĂ€dchen klopfte dreimal ehe sie die TĂŒre aufzog und die Treppe nach unten ging.

Der Geruch von Moder und Schimmel kitzelte ihre Nase, es war kalt und die KĂ€lte kroch dem MĂ€dchen unter das Nachthemd, verursachte ein Kribbeln auf ihrer Haut, das zu einem Brennen anwuchs. Sie hieß diese Empfindungen willkommen. Endlich war sie zu Hause. Je weiter sie der Treppe nach unten folgte, desto heller wurde es. Bizarre Schatten huschten ĂŒber ihrem Kopf hin und her. Es wurde wĂ€rmer und stickiger. Es roch nach Kupfer und nach etwas anderem, dass sie die ersten Male die sie hierhergefĂŒhrt hatten nicht zuordnen konnte. Mittlerweile kannte sie den Ursprung und freudige Erwartung bereitete sich in ihrem Bauch aus. ER wusste was zu tun wĂ€re. ER konnte ihr helfen  dem Monster, dass ihr weh getan hatte zu bestrafen. ER war ihr Freund. Ein Ausgestoßener, ein RĂ€cher, ihr Held.

Das MĂ€dchen betrat den Raum und lĂ€chelte. Ihr Zuhause. Ein Ort an dem Monster ihre gerechte Strafe erhielten. Ihr Blick glitt zu einer alten Wanne, die wahllos mitten in den Raum gestellt wurde. Darin lag etwas, das seine gerechte Strafe bereits erhalten hatte. Rote FlĂŒssigkeit tropfte auf den Boden und bildete eine Lache aus Blut.

Sie war zu Hause und bald, bald wird ihre Rache ein Ende finden und das nĂ€chste Monster den Preis dafĂŒr bezahlen.

Short Story Collab #9 Traum

Short Story Collab #9 Traum

Hallo ihr Lieben,

es folgt eine weitere Fortsetzung meiner Geschichte. Diesmal hatte ich erhebliche Probleme, die schon allein damit begonnen hatten, dass mir die Idee fehlte wie ich das Thema Traum darin unterbringen sollte.
Nun, ich habe mein Bestes gegeben und hoffe ihr seid zufrieden damit. Wie immer sind Kommentare, vor allem BesserungsvorschlĂ€ge sehr willkommen. Bitte traut euch, auch wenn ihr selber nicht schreibt. Es ist ein kleines Hobby von mir, dass nur wachsen kann wenn jemand ehrliche Kritik Ă€ußert.

Wer selbst Ideen im Kopf hat, diese auch gern niederschreibt darf sich gerne an der Aktion beteiligen und der Seite: www.captain-obvious.de einen Besuch abstatten. Der “Besitzer” dieser Seite hat das Projekt Short Story Collbab ins Leben gerufen und freut sich bestimmt ĂŒber neue Schreiberlinge.

Alles Liebe,

Eure Bibi

Es ist seltsam, ich sollte vor KĂ€lte schlottern, doch alles was ich fĂŒhlte war behagliche WĂ€rme und willkommene Dunkelheit. Wie aus weiter Ferne höre ich Wassertropfen auf hartem Boden aufschlagen und leichtes Rascheln, dass von kleinen Tieren stammen könnte, in meinem Kopf aber nur GleichgĂŒltigkeit auslöste.
Ich erinnere mich wage an KĂ€lte und an Gedanken in meinen Kopf, die meinen rollenden Kopf im Morgenrot der Sonne zeigten, der von lĂŒsternem Grölen der Zuschauer begrĂŒĂŸt wurde.
Jetzt fĂŒhlt es sich an, als wĂŒrde diese Vorstellung der Vergangenheit angehören, dumpf und weit weg. Alles was zĂ€hlte war das GefĂŒhl der Geborgenheit. Ich öffne meine Augen und sehe ĂŒber mir ein Meer aus Sterne, die ihr strahlend helles Antlitz wohlwollend auf mich richten.
Irgendwo in meinem GedÀchtnis versucht eine leise Stimme mir etwas wichtiges mitzuteilen. Sie ist zu leise und ich nicht gewillt ihr Gehör zu schenken. Ich richte meinen Blick nach oben und blinzle. Hat sich dort etwas bewegt? Ich starre angestrengt in den Himmel, meine Augen beginnen zu trÀnen aber ich war sicher, etwas gesehen zu haben.
Dort! Es scheint, das Firmament versucht seine SchĂŒtzlinge an einen Ort in der Mitte zu sammeln. Immer mehr Sterne rutschen von ihrem angestammten Platz zur Seite um sich mit dem Nachbarn zu vereinen.
Unruhe macht sich in mir breit, in meinem Bauch spĂŒre ich ein leichtes Ziehen, dass mir entfernt bekannt vorkommt. Das Wort Angst manifestiert sich in meinem sonst leeren Kopf und mein Körper reagiert darauf mit SchweißausbrĂŒche und zitternden HĂ€nden. Was ist aus der angenehmen Stille geworden? Der Geborgenheit? Mein Innerstes brĂŒllt, was auch immer hier passierte, es soll aufhören und mich in Ruhe lassen aber es kommt kein Wort ĂŒber meine Lippen.
Das Chaos ĂŒber mir formt sich zu einem Gesicht. Mein GedĂ€chtnis versucht mit aller Kraft sich an dieses Gesicht zu erinnern. Gehört zu es einer Person die mir sehr nahe steht? Die Lippen des Sternenbildes bewegen sich, es kommen Töne daraus hervor, die sich zu einem Wort vereinen, einem Namen. Sophia.
Kleine Stiche des Wiedererkennens piksen mein Innerstes. Ich sollte diesen Namen kennen, da bin ich mir sicher. Ich sollte diese Stimme kennen auch darin bin mir sicher. Zu der Angst in meinem Kopf gesellt sich Verwirrung und Erkenntnis. Was geht hier nur vor? Wo bin ich? Wer bin ich?
“Sophia! Wach auf! Sophia! Verdammt!”
“Wir mĂŒssen uns beeilen, Athos, die Wachen lassen sich nicht ewig fĂŒr dumm verkaufen!”
Eine zweite Stimme mischt sich in das Gedankenchaos und die Erkenntnis darin wird immer grĂ¶ĂŸer und zieht mich mehr und mehr in einen Abgrund zurĂŒck, dem ich zuvor nur zu gern entkommen bin. Ein Teil von mir begehrt auf, beginnt gegen den Sog anzukĂ€mpfen, wĂ€hrend mein Bauch immer lauter flĂŒstert ich solle aufhören, loslassen und mich auffangen lassen. Ich höre auf zu kĂ€mpfen, gebe mich der Dunkelheit hin und lasse mich fallen.

Mit einem kleinen Aufschrei, schlage ich meine Augen auf und sehe in die Augen von Athos und seinen Musketieren.
“Was…?”
“Nun, gnĂ€diges FrĂ€ulein, ich schĂ€tze wir sind hier um Sie zu retten.” Ich hĂ€tte einen ganzen Kuchen darauf verwetten können, dass diese Stimme Aramis gehörte und war froh darĂŒber, dass mein Gehirn wieder angefangen hat “normal” zu arbeiten.