An solchen Tagen

An solchen Tagen

Es ist mal wieder so weit. Mein Rheuma meldet sich zurück und ist kurz davor mich mit einem breiten Grinsen im Gesicht auf den Boden zu drücken. An solchen Tagen fällt es mir zunehmend schwer, meine Gute Laune zu behalten und die Tränen zu verdrücken. Der kleine Wasserfall der sich seinen Weg aus den Tränendrüsen sucht, macht mich noch wütender als ich eh schon bin. Es sind keine Tränen des Schmerzes, auch wenn der mir dann noch den Rest gibt, sondern Tränen der Wut. Mit den Schmerzen könnte ich noch umgehen, wäre da nicht diese Hilflosigkeit. Natürlich stehe ich nie alleine da und natürlich wird mir auch ohne große Fragerei geholfen. Aber da beginnt dann auch mein persönliches Problem. Es macht mich rasend in einem Körper zu stecken, der an manchen Tagen nicht alleine vom Sofa aufstehen kann. Der kaum die Treppe steigen kann, geschweige denn sich was zum Essen kochen kann.

Die Erkenntnis das mein Körper an solchen Tagen einfach nicht das schaffen kann, was mein Kopf gerne möchte zieht mich immer in ein kleines schwarzes Loch. Damit beginnt dann die nächste Herausforderung. Nicht in Selbstmitleid versinken. Es lässt sich so leicht vorsagen. Es lässt sich so schwer in die Tat umsetzen.

An solchen Tagen wäre ich gerne die Person, von der alle denken ich bin es längst. Ich höre oft wie die Menschen um mich herum von meiner Persönlichkeit und Kraft beeindruckt sind. Das ich trotz dem Rheuma nie das Lachen vergesse. Das ich ein fröhlicher Mensch bin, der seinen Weg geht und sich von nichts aufhalten lässt… Nun ja. Diese Menschen sehen mich aber gerade nicht. Sie sehen nicht wie ich verzweifelt versuche dieses Gedankenkarussell: “Warum ich? Was wäre wenn? Ich will nicht mehr!” zu stoppen.

An solchen Tagen ist das Rheuma nicht nur lästig, sondern mein größter Feind. Dumm nur dass somit mein Körper damit mein größter Feind ist. Es ist kein schönes Gefühl seinen Körper zu hassen. Sich selbst zu hassen. Denn egal wie ich es drehe und wende. Mein Körper gehört zu mir. Das Rheuma gehört zu mir.

Ich sage ja oft, es gibt eigentlich niemanden den ich wirklich hasse. Nicht mögen, ja. Aber hassen? Nein. Nun ja. Ich denke das ist wohl ein bisschen gelogen.

Ich weiß, es kommen wieder bessere Tage. Ich weiß aber auch, das wieder schlimmere Tage kommen werden. Ein Teufelskreis.

Das einzige was mich an solchen Tagen über Wasser hält, sind mein Mann und mein Sohn. Sie bringen mich doch immer wieder dazu, mich vom Sofa hoch zu wuchten und so gut es geht meinem Kind ein schönes Leben zu ermöglichen. Das Lächeln das mir dann immer geschenkt wird ist unbezahlbar. In diesen Sekunden vergesse ich immer, dass ich eigentlich Schmerzen habe und kaum stehen kann.

Ich weiß, als erstes sollte man für sich kämpfen aber ich weiß gar nicht wie das geht. Ich habe für eine Ausbildung gekämpft, für meine Eltern damit sie nicht traurig sind, weil es mir schlecht geht. Ich habe für eine gute Arbeit gekämpft. Für meinen Chef, für die Patienten und für einen guten Tag. Aber für mich?

Selbst jetzt, ich kämpfe für meinen Sohn und für meinen Mann. Das ist das einzige was mich davor bewahrt ganz in Selbstmitleid zu verfließen. Und das genügt. Fürs Erste zumindest.

Auf bessere und sonnigere Tage. Ich weiß, dass es sie gibt und nur auf mich warten.

Tagebuch eines Babys

Tagebuch eines Babys

Die erste Nacht

Mein Leben wäre eigentlich recht schön gewesen, würde man mich nicht ständig dazu überreden wollen an der Brust meiner Mutter zu trinken. Als ob ich meinen Entschluss so schnell wieder revidieren würde! Menschen!

Allerdings bekomme ich nun doch ein schlechtes Gewissen. Mama wird von Versuch zu Versuch ängstlicher und ich spüre wie ihre Nerven blank liegen. Ihre Annäherungsversuche sind zärtlicher als die von den diversen Schwestern. Probeweise und um meine Mutter etwas zu beruhigen nuckle ich ein paar Mal. Puh! Das ist so anstrengend und wieso ich das machen muss erschließt sich mir noch immer nicht. Nach ein paar Zügen lasse ich es deswegen wieder bleiben und versuche mich wieder an einem kleinen Nickerchen.

Hin und wieder öffne ich mal das eine, mal das andere Auge um zu überprüfen ob mich die Frauen in ihren lilafarbenen Krankenhausklamotten nun endlich in Ruhe lassen. Außer mir und meinen Eltern ist keiner hier. Oder doch? Neben mir ertönt ein lautes Schreien. Nicht unähnlich dem meinen wenn ich meine Stimmbänder ein bisschen ausprobiere. Nur etwas heller. Im Bett neben unseres liegt ein weiblicher Wirt äh Mensch und hält ein kleines Mädchen in ihren Armen um sie dann mit einem beruhigenden Singsang an die Brust zu legen. Das Mädchen fängt sofort an zu saugen und bekommt davon offenbar nicht genug. Verwirrt lege ich meine Stirn in Falten. Wieso sieht das bei ihr so einfach aus?

Kurz darauf werde ich ebenfalls wieder an den Busen gedrückt. Oh Mann. Die geben wohl nie Ruhe oder? Erneut gebe ich mein Bestes um ebenfalls erneut erschöpft die Augen zu schließen. Das ist doof. Lasst mich doch einfach in Ruhe. Ich quittiere meinen Unmut mit der Nutzung meiner Stimmbänder. Die sind wirklich cool. Und wie laut die meine Stimme drehen können. Herrlich!

Als ich das nächste Mal meine Augen aufmache ist es dunkel in dem Zimmer und still. Mein Papa ist nirgends zu sehen aber ich glaube mich erinnern zu können das er mir im Halbschlaf einen Kuss auf die Stirn gedrückt hat. Jetzt waren nur meine Mama und ich hier. Achja, und dieses seltsame Mädchen mit ihrem Menschen. Offenbar findet sie es toll arbeiten zu müssen. Wenn mich nicht alles täuscht, hängt sie nämlich gerade wieder saugend an ihrer Mama. Unfassbar. Das Mädel ist mir unheimlich. Wer macht so was denn freiwillig?

Zwar werde ich noch immer im Arm gehalten aber ich merke das der Kopf meines Menschen immer wieder seitlich kippt um gleich darauf wieder hochzuschrecken. Sie scheint sehr müde zu sein ohne recht in den Schlaf zu finden. Bevor ich mich wieder an sie kuscheln kann, überkommt mich ein seltsames Gefühl das von Sekunde zu Sekunde schlimmer wird. Etwas versucht sich von meinem Bauch einen Weg nach oben zu bahnen. Ich bekomme leichte Panik. Je höher dieses widerliche Gefühl steigt, desto schwieriger wird das Atmen. Ich balle meine kleinen Händen zu Fäusten und versuche panisch einzuatmen. Ich bekomme kaum Luft und vor Angst möchte ich schreien. Ich reisse meinen Mund weit auf aber es kommt kein Ton heraus. Nur dieses seltsame Ziehen das direkt aus meiner Lunge zu kommen scheint. War meine Mutter zuvor noch müde, wirkt sie nun hellwach und genauso panisch wie ich. Sie versucht sich aufzusetzen und sinkt mit einem Schmerzensschrei wieder zurück. Nach mehreren Versuchen gibt sie es auf und versucht mich auf die Seite zu drehen. Es dauerte gerade mal ein paar Sekunden aber für mich fühlte es sich wie eine Ewigkeit an. Wieso hilft mir denn keiner? Erst werde ich aus meiner bequemen Blase herausgezerrt um dann elendig zu ersticken? Die eklige Flüssigkeit in meinem Hals kämpft sich an die Oberfläche während ich es krampfhaft wieder herunter schlucke und gleichzeitig nach Luft schnappe. Kurz darauf ergießt sich ein Schwall Fruchtwasser auf das weisse Laken zwischen mir und meiner Mutter. Erleichterung macht sich breit und da! Das Einatmen funktioniert auch wieder. Trotzdem fange ich an zu weinen. Das hier ist doch alles ungerecht! Ich will wieder nach Hause! Ohne recht zu merken dass die Frau im Bett nebenan sich zu uns gesellt hat, schreie ich weiter. Ich höre die Stimme meiner Mutter die die andere Frau bittet ihr zu helfen und mich auf den Bauch zu legen. Ehe ich mich versehe liege ich mit dem Bauch nach unten auf meiner Mama und werde von zwei warmen Armen umfangen.

Nun gut, vielleicht ist es doch nicht so schlimm. Besänftigt drücke ich mich an die weiche Haut und schließe meine Augen. Mein rechtes Ohr liegt genau über dem laut klopfenden Herzen. Ich habe mich zwischenzeitlich wieder beruhigt aber der Schreck sitzt meinem Menschen wohl noch in den Knochen. Beziehungsweise im Herzen. So laut und schnell wie das schlägt.

Ich schlummere friedlich ein und werde erst wieder wach als eine Schwester (schon wieder?) ins Zimmer kommt. Zum Glück werde ich ignoriert und ihre Aufmerksamkeit richtet sich ganz auf meine Mama. Eine lange Wunde unter ihrem Bauch wird untersucht und für gut befunden. Woher kommt denn diese Narbe? Mama widmet sich erstmal einarmig ihrem Frühstück und gibt mich erst wieder her, als Papa das Zimmer betritt. Na endlich! Wo warst du denn so lange? Weißt du denn gar nicht dass ich fast gestorben wäre? So schlimm war das!

Ohne ein Wort von meinem Gejammer zu verstehen werde ich hochgehoben und glücklich  in den Armen gewiegt. Eltern sind schon seltsame Geschöpfe. Da stirbt man quasi und sie lächeln einen Stunden danach an als sei nix gewesen. Bevor ich allerdings weiter darüber meckern kann werde ich wieder müde. Na gut. Dann schimpfe ich meine Eltern eben wenn ich wieder wach bin. In diesen Armen ist es auch einfach zu bequem. Wie kann da ein vernünftiger Mensch wach bleiben?

Tagebuch eines Babys

Tagebuch eines Babys
Tagebuch eines Babys

Der erste Kontakt

Irgendwie ging das Ganze schneller als geplant. So schnell wollte ich mein warmes und kuscheliges Zuhause eigentlich nicht verlassen. Sicher, es wurde langsam etwas eng hier drin und ich habe mich gerade mit dem Gedanken angefreundet langsam aber sicher zu neuen Gefilden aufzubrechen aber das musste es nun wirklich nicht sein.

Mein Wirt äh Pardon, Mama bekam es kurzzeitig ein bisschen mit der Angst zu tun, als ich dafür sorgte, dass mein kostbares Fruchtwasser einen kleinen See im Flur hinterließ. Zumindest denke ich dass es Angst war. Das beständige laute Pochen ihres Herzens wurde schneller und ich hörte die dumpfen, aufgeregten Stimmen meiner Eltern. Ich denke zumindest, dass es „Eltern“ heisst. Dieses Wort haben die beiden nämlich ständig von sich gegeben während ich munter meine Runden im Wasser drehte.

Wohin der ganze Platz zum Schwimmen verschwunden ist, ist mir immer noch ein Rätsel. Es war herrlich Purzelbäume schlagen zu können. Leider war es damit schneller vorbei, als mir lieb war. Ich musste mich sogar mehr und mehr zusammenrollen, so eng wurde es hier. Ich habe natürlich mehrmals versucht mit entsprechendem dagegen trampeln und schlagen, auf meine Misere aufmerksam zu machen. Schließlich sollte doch mein Wirt gut auf mich aufpassen. Nur irgendwie wurde mein Protest nur mit einem erfreuten Aufseufzen, Lachen und Bauchgestreichle quittiert. Wie mir das mehr Platz verschaffen sollte, war mir unklar. Hat es auch nicht. Wie gesagt, es ist hier sehr sehr eng.

Ehe ich mich seelisch  auf das Leben dort draußen vorbereiten konnte, wurde vor mir im Bauch ein Spalt sichtbar der größer und größer wurde. Erst viel später soll ich erfahren dass dieser Eingriff, der mich in diese seltsame Welt holte, Kaiserschnitt nennt. Schön und gut. ich finde es trotzdem alles andere als nett mich so abrupt aus meinem Schlummer zu reissen. Große und nicht gerade sanfte Hände umschließen meinen Körper und ziehen mich in ein grelles Licht. Das ist ja furchtbar! Ich kneife meine Augen fest zusammen und nutze meine bisher ungenutzten Stimmbänder und schreie was das Zeug hält. Seltsam, das ist also meine Stimme?

Ich versuche mit einem Auge die Unholde dich mich so unsanft behandeln zu erspähen aber alles ist unscharf und so hell. In dieser Welt leben also meinen Eltern? Arme Geschöpfe. Wo waren sie eigentlich? Die Stimme, die glaubt beruhigend auf mich einzureden, gehört definitiv nicht meiner Mama. Und auch nicht meinem Papa. Im gleichen Moment realisiere ich, dass ich jetzt auch in dieser grässlichen lauten und unscharfen Umgebung leben muss. Ich schraube meine Stimme eine Oktave höher. Bringt mich wieder zurück!

Kalte Luft streift mir über meine Haut und ich vermisse das beengte warme Gefühl der Geborgenheit. Was soll ich hier? Andere Hände (ebenfalls nicht die meiner Eltern) wickeln mich in etwas weiches. Es wird wärmer und auch wenn es dieses Etwas auf meiner Haut nicht so warm anfühlt wie Mama, wird es etwas erträglicher. Ich werde erneut in ein anderes Paar Hände gedrückt. Ehe ich weiterhin protestieren kann, wird mir ein ekliger Schlauch in den Mund gesteckt. Das hier ist doch alles furchtbar. Ich will das nicht! Laut schreiend und spuckend höre ich Wörter wie „Fruchtwasser verschluckt“ und „ist schon gut“ ohne dass ich begreife was diese seltsamen verschiednen Stimmen meinen. Endlich wird mir der fiese Fremdkörper aus dem Mund genommen und ich werde fester in den weichen Stoff gepackt. Immer noch schreiend werde ich wieder weiter gegeben. Was ist das? Diese Stimme kenne ich. Mama bist du das? Und da! Das ist doch Papa! Wo zur Hölle seid ihr gewesen? Habt ihr nicht gesehen was die gemeinen Hände und Stimmen mit mir gemacht haben? Ich werde liebevoll gedrückt und gestreichelt und ich fange an mich nicht mehr so fehl am Platz zu fühlen.

Schließlich war ich jetzt nicht mehr allein. Die Stimmen meiner Eltern hören sich anders an als ich es mir noch in Mamas Bauch bequem gemacht habe. Klarer und lauter. Dennoch, es sind die Stimmen von Mama und Papa. Ich stelle das Schreien ein. Das hat mich doch sehr erschöpft.

Alles fühlt sich plötzlich anders an. Sterile und seltsam schmeckende Luft füllt meine Lungen. Mein Bauch hebt und senkt sich und ein seltsam grummelndes Gefühl bereitet sich in meinem Magen aus. Bleierne Müdigkeit macht sich breit und auch die Augen aufzumachen fühlt sich so schwer an.

Nach einer kurzen Verschnaufpause werde ich wieder aus meinem Schlummer gerissen. Kann man hier nicht einmal seine verdammte Ruhe haben? Meine Mama ist mir ganz nah aber es sind nicht Mamas Hände die mich an die Brust meiner Mutter drücken. Was soll ich denn bitte da? Immerhin ist es hier so weich und warm, dass ich fast wieder einschlafe. Wären da nur nicht diese unerbittlichen Hände gewesen die mich wieder aufwecken und erneut an die Brust drücken. Ich bin doch so müde. Lasst mich!

Die gemeinen Hände werden von sanfteren und leicht unsicheren Händen abgelöst. Kurz darauf lässt mich ein stechendes Gefühl an der Ferse laut aufschreien. Aua! Das tut weh. Kurz darauf wird mir etwas in den Mund geschoben und süße Flüssigkeit tropft in meinen Mund. Ich schlucke. Nicht dass ich das wollen würde aber diese gemeine Person die mich schon so rabiat an die Brust meiner Mama drückte ist unerbittlich.

Dann darf ich endlich wieder in die Arme von meinem Papa. Meine Eltern sind definitiv sanfter und nicht so gemein. Dieses Nuckeln ist so anstrengend. Ich weigere mich weiterhin strickt an der Brust zu „arbeiten“. Lasst mich lieber schlafen. Nach etlichen Versuchen gönnt man mir endlich meine Ruhe. Ich darf nun zum ersten mal das leise Bumbum von Papa hören, während ich an seiner Brust lehne.

Ist das jetzt mein Leben? Eigentlich ganz nett. Bis auf dieses arbeiten. Da können sich meine Eltern brav was anderes ausdenken! Ich werde wieder zur Mama gebracht und während ich ihrem Herzschlag lausche, ignoriere ich diese chaotische und seltsame Welt. Hier ist es schön und warm. Bei meinen Eltern bleibe ich. Ob sie das nun wollen oder nicht. Seufzend balle ich meine kleinen Fäuste und während ich langsam einschlafe, frage ich mich noch was ich mit diesen Händen eigentlich anfangen soll.

Don’t panic, it´s just another morning (kleiner Auszug aus dem Leben einer Blocksberg)

Don’t panic, it´s just another morning (kleiner Auszug aus dem Leben einer Blocksberg)

2013-09-25 19.22.59

Wer kennt es nicht? Man hat es endlich geschafft tief und fest zu schlummern um dann mit einem Ruck in die Realität geworfen zu werden.

Ich weigere mich ganze fünf Sekunden standhaft zu glauben, dass bereits wieder Morgen ist. Seufzend, das eher als ein miesepetriges Grummeln durchgeht, taste ich nach meinem Handy um den nervigen Wecker auf “Schlummern” zu stellen.

Seien wir mal ehrlich. Diese Schlummerfunktion ist auch nur dafür da, damit man sich weitere Minuten einreden kann, es sei noch gar nicht Morgen und man kann sich locker noch einmal zufrieden umdrehen. Fehlanzeige. Gefühlte Sekunden nach besagtem Umdrehen klingelt der Wecker nämlich wieder. Natürlich könnte ich jetzt meine Beine aus dem Bett schwingen, was mit meinem neuen Hüftgelenk eine easy Sache wäre. Natürlich könnte ich fröhlich pfeifend unter die Dusche springen. Natürlich könnte ich gut gelaunt am Tisch mein Frühstück verspeisen weil ich dafür ja genügend Zeit hätte.

Nun. Natürlich mache ich genau das nicht. Nicht das ich mir das am Abend davor fast täglich vornehme, obwohl ich es eigentlich besser weiß. Mein Tag beginnt also wie fast jeden Morgen damit, dass ich Zeit schinde, immer wieder einschlummere um dann verärgert auf schlummern zu drücken. So lange bis ich keine andere Wahl habe aufzustehen. Ohne Frühstück. Ohne gute Laune und ganz sicher ohne zu pfeifen. Ich hasse das Aufstehen aus tiefstem Herzen. Dennoch ist ein nicht unerheblicher Teil von mir immer sehr pünktlich, was dazu führt das ich eigentlich nie zu spät zur Arbeit komme, dafür aber das Frühstück so aussieht, dass ich mir eine Breze bei meinem Bäcker nebenan kaufe und diese auf dem Weg zur U-Bahn verspeise.

Man könnte auch sagen, das Stadtleben wäre daran schuld. Aber da ich auch ne ehrliche Haut bin, kann ich das widerlegen. Ich bin in einer eher ländlichen Umgebung aufgewachsen und selbst da war das Frühstück morgens eher ne kurze oder eben gar keine Sache.

Nachdem ich besagtes Frühstückchen verschlungen habe, sehe ich dabei zu wie eine U-Bahn, bereits voller Menschen, einfährt und sich noch mehr Menschen dazu drängen. Kurz stelle ich mir vor wie sie sich aufeinander stapeln ehe die Türen wieder zu gleiten und der Zug mit ans Fenster gedrückten Stadtleuten im dunklen Tunnel verschwindet.

Kurz darauf kommt eine fast leere U-Bahn und begrüßt mich mit bequemen Sitzen. Geduld ist etwas, was man in der Stadt entweder verlernt oder nie gelernt hat. Umso besser für mich. Auch wenn meine Fahrt von kurzer Dauer ist. Zwei Stationen später steige ich wieder aus und mache mich, natürlich zu Fuß (seit neuestem bin ich im Besitz eines Schrittzählers, das muss man auch nutzen) auf den Weg in die Arbeit.

Meine bisher vermisste gute Laune, lugt schüchtern aus ihrer dunklen Ecke hervor und kuckt mit großen Augen dabei zu wie ich Treppe für Treppe ersteige um endlich in der Praxis anzukommen, in der ich seit gut zwei Jahren erfolgreich kleine Kinder ärgern darf. Spaß bei Seite. Natürlich erledige ich meine Arbeit als Arzthelferin in einer Kinderarztpraxis mit sehr viel Gewissen. Was natürlich nicht heisst, das ich die kleinen Patienten nicht ab und an etwas ärgere.

Heute ist es noch leer und im Vergleich zum Winter, steht auch noch niemand vor der eigentlichen Sprechstunde an der Anmeldung um einen dringenden Notfall anzumelden. Ohne Termin natürlich, denn es ist offensichtlich dass der besagte Notfall totkrank ist und unbedingt vom Onkel Doktor untersucht werden müsste. Nachdem innerhalb von wenigen Minuten das Wartezimmer so aussieht, als hätten sich darin 50 Kinder gleichzeitig vergnügt.

Wie gesagt, heute ist es leer. Zumindest noch und ich habe reichlich Zeit meinem Chef und meiner Chefin guten Morgen zu wünschen und mir die Hände zu waschen (ein Muss falls hier Arzthelferin das lesen und dies nicht machen). Das alles mit einem Lächeln auf den Lippen. Kaum zu glauben, zwanzig Minuten davor wäre jeder vor meinen gefletschten Zähnen geflohen.

Es ist sogar so ruhig, das ich die Vorsorgen für den nächsten Tag bereits vorbereiten kann und alles säuberlich ins davor vorgesehene Fach schieben kann, ehe mein guter Freund das Telefon fröhlich zu Läuten anfängt. Dann wollen wir mal. Der Tag beginnt.

Oder auch nicht. Die Ferien gepaart mit dem guten Wetter haben wohl alle Krankheiten von kleinen Kindern ferngehalten. Zumindest von den meisten. Nur hartgesottene, in München gebliebene Eltern erscheinen mit unseren kleinen Patienten zu Vorsorge- oder Impfterminen. Da sich sonst kaum jemand im Wartezimmer aufhält sind sie meist genauso schnell wieder draußen wie sie gekommen sind und lassen mich wieder zurück. Neben meinem nun sehr stillen Freund, der sich standhaft weigert zu klingen. Nun gut, nicht dass ich es nicht angenehm finde endlich Arbeiten zu erledigen die sonst immer liegen bleiben. Kaum greife ich nach meinem Impfbuch, läutetet es neben mir, um mir dann anzuzeigen das der Anrufer nach meinem sehr netten Begrüßungsspruch aufgelegt hatte. Vielleicht doch nicht so nett. Wobei meine gute Laune bereits munter auf und ab hüpft und fröhlich vor sich hin quietscht. Ehe ich mich versehe ist der ruhige Vormittag sowie die noch ruhigere Pause (in der mein Freund Twitter leider herhalten muss) vorbei und die Nachmittagssprechstunde ist gekommen. Ich stürze mich voller Elan auf die kommenden Patienten.

Ehe sich die nächsten Patienten im Wartezimmer niederlassen können, stehe ich schon bereit dem nächsten sein kurzes, nicht so schönes Schicksal angedeihen zu lassen. Mein Nachmittag war also gerettet. Ich durfte mit Nadeln in der Hand hantieren, helfen dass diese auch im Arm des Kindes landen und bekomme dafür immer wieder ein lächelndes Danke der Eltern. Ihr müsst schon zugeben, es ist durchaus ein schöner Beruf. Doch kaum in meinem Element ist der Feierabend da. Schön und doch irgendwie traurig. Aber nun gut. Morgen ist ja ein neuer Tag. Das heisst, wenn ich das Aufstehen überlebe. Ach was, morgen schaffe ich es pünktlich aufzustehen! Ich werde genüsslich frühstücken und mich morgen vielleicht sogar etwas schminken!

Mein Zukunftsich schüttelt bereits wissen den Kopf. It’s not gonna happen!

Short Story Collab Rollkragenpullover

Short Story Collab Rollkragenpullover

Hallo ihr Lieben, wieder einmal war ich in der letzten Zeit sehr still. Ich könnte jetzt meiner Hüft-OP alles in die Schuhe schieben aber das wäre nicht sehr ehrlich von mir. Ich hatte einfach keine Motivation und auch keine Freude daran etwas auf Papier zu bringen. Jetzt habe ich wieder etwas Energie getankt und versuche mein Bestes. Ich weiß nicht wie viele Themen ich verpasst habe, daher gebe ich meinen Beitrag einfach zum Thema Rollkragenpullover ab. 🙂 Viel Spaß beim Lesen! Wie immer gilt, Kommentieren ist erlaubt und eigentlich sogar erwünscht. Ganz gleich ob gut oder schlecht. Alles Liebe Eure Bibi Der Rollkragenpullover Wie das Leben hier so ist? Nun, was soll ich groß erzählen. Ich verbringe mein Dasein im Dunkeln. Um mich herum schwillt das aufgeregte Flüstern an, sobald der nächste Tag anfängt und durch die kleinen, hölzernen Ritze Tageslicht dringt. Ich kann mich nur dumpf daran erinnern wie es sich angefühlt hat, ausgewählt zu werden. Ich glaube ich war sogar richtig stolz, wenn mein Mensch sanft über meine Ärmel fuhr und sich an meiner Wärme erfreut hat, wenn es draußen klirrend kalt wurde. Ich kann mich nur noch schemenhaft an das freundliche Gesicht erinnern, dass mich mit einem Juchzer von der Stange nahm und auf das Kassenband legte. Ich erinnere mich nur noch an einen Hauch der Freude und der Aufregung, die ich damals wohl empfunden haben muss. Ich wurde oft aus dem düsteren Gefängnis, dass die Zweibeiner “Schrank” nennen herausgenommen, lange getragen und nur widerwillig in diese riesige Maschine gestopft. Wie nannte sie mein Mensch nochmal? Achja, die Waschmaschine. Ein seltsames Erlebnis. Man wird eingeweicht, durchgeschüttelt, eingeschäumt und am Ende schwindelerregend herumgeschleudert. Nach dieser seltsamen Prozedur wurde ich im hellen Licht aufgehängt und erst wieder in das Gefängnis zurückgebracht, wenn ich trocken und weich war. Ich habe es geliebt draußen zu sein. Die Welt der Zweibeiner zu sehen. Ich habe meinem Menschen gern Geborgenheit geschenkt. Ich dachte damals, in meiner Naivität, dass mich mein Mensch gern hätte. Mich niemals wieder hergeben würde. Dann kam der Frühling. Das Wetter wurde warm und meine gespendete Wärme wohl unerträglich. Ich wurde zusammen gelegt, in ein noch dunkleres Eck geschoben und dort liegen gelassen. Anfangs hatte ich noch die Hoffnung mit etwas Geduld meinem Zweibeiner wieder Trost spenden zu können. Schließlich würde der nächste Winter kommen und meine Wärme wieder wünschenswert sein. Die nächsten Winter kamen und gingen. Auf mir wurden weitere Trostspender gestapelt. Neu, knallig bunt und überheblich. Sie spotteten über meine Wolle. Über mein altmodisches Aussehen. Sie lachten wenn der Schrank geöffnet wurde und sie anstatt meiner herausgeholt wurden. Ich habe angefangen, dass Gelächter zu ignorieren. Ich zählte die Staubkörner die sich mehr und mehr auf mir niederließen. Beobachtete durch die kleinen Schlitze das wandernde Tageslicht. Nicht mal mehr mein kleines wollene Herz machte einen Hüpfer wenn ich meinen Menschen kurz zu Gesicht bekam, wenn es einen weiteren arroganten Mitbewohner auswählte ohne mich eines Blickes zu würdigen. Ich fühle mich alt und ungeliebt und warte auf den Tag, an dem das Gefängnis geöffnet wird und alle deprimierten, ungetragenen und alten Bewohner in einen Plastiksack verschwinden würden. Ich habe Gerüchte gehört, dass es ein Leben nach dem Entsorgen geben würde. Wenn man Glück hätte, könnte man sogar einem Menschen Trost spenden, der sich über deinen Anblick freut, egal wie abgetragen und abgenutzt ich aussehen würde. Der Gedanke daran heitert mich etwas auf und ich spüre wieder so etwas wie Hoffnung in mir. Ein Gefühl dass ich schon sehr lange nicht mehr erfahren durfte. Das Herz wird etwas leichter und ich widme mich wieder dem nächsten Staubkorn, dass sich auf mir ein neues Zuhause gesucht hat.

Leben mit Rheuma (ein kleiner Teil davon)

Leben mit Rheuma (ein kleiner Teil davon)

Viele von Euch die mich persönlich kennen oder vielleicht sogar auf Twitter folgen, wissen bereits dass ich an Rheuma erkrankt bin. Was auch der Grund vieler Tweets ist, wenn ich mich beispielsweise über nicht funktionierende Rolltreppen aufrege. Darüber einen kleinen Eintrag zu schreiben schwirrt schon sehr lange in meinen Gedanken umher, war mir aber unsicher ob das auch irgendjemand lesen will.

Heute bin ich mutig und trau mich. 🙂 Vielleicht geht danach die/der Eine/Einer oder Andere/r mit mehr Feingefühl für die Mitmenschen durch die Welt. Ein zweiter Blick tut nicht weh und erleichtert jemand anderen ein kleine wenig das Leben.

Tja wo fange ich an. Vielleicht erst einmal damit was Rheuma eigentlich ist. Ich könnte hier Seiten über die einzelnen Krankheitsbilder schreiben. Keine Angst ich erspare euch das. Es gibt viele Arten von Rheuma und nicht alle haben etwas mit den Gelenken alter Frauen zu tun. Es bekommen eben nicht nur alte Menschen Rheuma. Im Gegenteil, es sind immer mehr die in jungen Jahren oder auch schon als Kleinkinder mit der Diagnose Rheuma durchs Leben stolpern müssen. Meine Art nennt sich chronische Polyarthritis. Das heisst ich habe mehrere Gelenke (in meinem Fall eigentlich alle) die sich durch Rheumaschübe entzünden. Mit ungefähr zwei Jahren bekamen meine Eltern diese Diagnose gestellt, die nicht wussten wieso ich oft ohne Grund vor Schmerzen weinte. Das ist jetzt fast 26 Jahre her. 26 Jahre in denen ich mich jeden Tag aus dem Bett gequält habe, ganz gleich wie groß der Schmerz war. 26 Jahre in denen ich auf Medikamente angewiesen bin, deren Langzeitnebenwirkungen ich noch zu spüren bekommen werde. 26 Jahre Rheuma und ich stehe ich immer noch. Mittlerweile sind viele Gelenke arg in Mitleidenschaft gezogen und die erste OP steht bald an. (falls ich davor nicht die Flucht ergreife)

Natürlich gab es Momente in meinem Leben die einfach nur ziemlich mies waren. Ich habe oft Wochen in einer speziellen Kinderrheumaklinik in Garmisch verbracht, die ich jedes mal aufs neue verabscheute. Die Aufenthalte waren nur dann ertragbar wenn sich einer meiner liebsten Freundinnen auch dort befunden hat. Wir teilen das gleiche Schicksal, haben uns in Garmisch kennen gelernt und sind mittlerweile über 10 Jahre befreundet.

Allerdings muss ich auch sagen, dass diese Klinik zu meiner Zeit und wahrscheinlich auch noch heute eine der wenigsten war die sich mit dieser Krankheit beschäftigte und für viele auch eine kleine Rettung darstellte. Sicherlich, ich bekam jeden Tag zahlreiche Anwendungen, konnte vormittags sogar zu Schule und die Schwestern waren bis auf wenige Ausnahmen immer sehr lieb. Dennoch war es immer ein großes Theater wenn es wieder daran ging die Koffer zu packen um nach Garmisch zu fahren. Im Nachhinein mussten meine Eltern viel Kraft aufbringen und ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Erkrankung für meine Eltern oft schlimmer war als für mich selbst.

Ein Leben mit einer Krankheit die nicht heilbar ist und die einen immer begleiten wird, kann auch Vorteile bringen. Falls die betreffende Person kein vermaledeiter Dickschädel ist. Ich erinnere ich daran, dass ich in der Schule extra Zeit für Proben bekam, da ich oft steife Finger hatte und daher nicht so schnell schreiben konnte. Ich erinnere mich auch, dass ich diese Zeit nie in Anspruch genommen habe und wenn mir die Finger danach fast abgefallen sind. Ebenso wurde mir mehr als einmal angeboten den Aufzug des Hausmeisters zu benutzen, was viele meiner Mitschüler sehr neidisch machte, weswegen ich jeden Tag, egal wie schwer es fiel, die Treppe gelaufen bin. Was allerdings auch nichts daran änderte, dass viele meiner Klassenkameraden mir diese Hilfestellungen der Lehrer übel nahmen. Zusammengefasst: bei Gott bin ich froh diese Zeit hinter mir zu haben und ich würde sie nicht wiederholen wollen.

Nun stehe ich hier, verdiene mein Geld als med. Fachangestellte und versuche mich durchs Leben zu schlängeln und ich behaupte mal ganz frech, dass ich das ganz gut bewerkstellige. An manchen Tagen humple ich brav zu meiner U-Bahn, ignoriere das Starren der Menschen, die nicht ganz verstehen wieso eine 27jährige wie eine alte Oma daher kriecht.

Es scheint auch ein ungeschriebenes Gesetz zu sein dass wenn die Rolltreppe defekt ist auch der Aufzug nicht funktioniert und ich mich unter erneutem Starren die Treppe runterquäle. Was mich aber speziell auf die Palme bringt sind Menschen die einen bei Seite schubsen um einen Platz in der U-Bahn zu bekommen. Sicher, man sieht mir nicht an, das mir gerade hundert Messer in die Gelenk gestoßen wurden. Umso mehr macht es mich wütend wenn ich sehe wie solche Leute auch Menschen mit offensichtlichen Behinderungen behandeln. Der Rollstuhlfahrer muss ewig an der Rolltreppe warten, Menschen mit Krücken werden in der U-bahn zur Seite gedrängt und müssen stehen. Hilfsbereitschaft den Mitmenschen gegenüber ist für viele ein Wort das man erst im Wörterbuch nachschlagen muss. Wieso ist das so?

Es tut keinem weh genauer hinzusehen und ich spreche von Hinsehen nicht starren. Also, wenn ihr beim nächsten Mal jemanden in die U-Bahn humpeln seht, wäre es schön solchen Menschen nicht den Sitzplatz vor der Nase wegzuschubsen. Es tut nicht weh die Treppe zu laufen, wenn man kann. Im Gegenteil man trainiert sogar noch Bauch/Bein/Po.

Was ich eigentlich sagen will: jeder hat sein Päckchen zu tragen und ist froh wenn man sich nicht mit der Blindheit oder Ignoranz anderer herumschlagen muss. Irgendwann bist du vielleicht sogar auf solche Hilfe angewiesen und freust dich darüber wenn dir jemand seine helfende Hand reicht.

Hilfe! Eine Hochzeit will geplant werden!

Hilfe! Eine Hochzeit will geplant werden!

Bald ist es soweit! Nächstes Jahr im Sommer darf ich mich “Ehefrau” schimpfen. 😉 Natürlich muss bis dahin alles geplant werden und natürlich wird auch so einiges schief gehen. Ich habe mir überlegt, ein paar Anekdoten darüber hier nieder zu schreiben. Zum Einen um es sich von der Seele zu schreiben, zum Einen um darüber selbst lachen zu können.

Sicherlich wird es nicht jeden interessieren aber dieser Punkt hat mich auch nicht von meinen Kurzgeschichten abgehalten. Wer doch einen Blick hier reinwirft: viel Spaß beim Lesen! 🙂

Die Einladungskarten sind gedruckt und warten aufs Verschicken, eine Website für die Hochzeit ist in Arbeit und ich darf sogar den ersten Termin in einem Brautladen mit einem großen, grünen Haken versehen. An diesem Termin möchte ich nun anknüpfen.

Ich denke für jede Frau ist das Hochzeitskleid etwas Besonderes, das mit viel Sorgfalt ausgesucht werden muss. Ein Pluspunkt wäre es wenn die Verkäuferin eines solchen Ladens einem selber sympathisch ist. Gewisse Kompetenz habe ich vorausgesetzt und bin in diesem Punkt auch prompt in einen Fettnapf gelaufen.

Hochzeitsgeschäfte sind in München nicht gerade selten, daher dachte sich meine Innere Bibi, jeder Laden hat eine Homepage die man besuchen kann. Gemacht, getan. Eine davon sah auf den ersten Blick sympathisch aus. Ich möchte hier nur kurz betonen, dass dies nicht die erstbeste Seite war, die gleich dingfest gemacht wurde. Tatsächlich habe ich eine halbe Stunde mit mir gehadert habe, welche ich nun zuerst anrufen soll.

Der Laden für den ich mich dann entschieden habe, sah auf dem Bild geräumig und einladend aus. Der Termin wurde telefonisch vereinbart und ich stand, begleitet von meiner Mutter und zwei meiner Freundinnen pünktlich vor dem Laden.

Nun ja, ich korrigierte das Wort “geräumig” in meinem Kopf in die Wörter “klein und fein” und marschierte gut gelaunt in den Laden. Wir wurden in den hinteren Bereich des Ladens gebracht und gefragt welche Vorstellungen wir denn hätten. Soweit, so gut. Es wurden einzelne Kleider von der Verkäuferin für die Anprobe vorbereitet und sie folgte mir brav in die Umkleidekabine um mir bei der Anprobe zu helfen.

Bis dahin war weitgehend alles in Ordnung. Ich schritt in dem sehr voluminösen Kleid aus der Kabine und sollte mich auf einen kleinen Hocker stellen, damit man sich besser im Spiegel betrachten konnte. Die erste Hürde mit einer kaputten Hüfte und einem nicht existenten Gleichgewichtssinn konnten mit der Hilfe meiner Begleiterinnen überwunden werden, so dass ich etwas wackelig zwar aber doch gerade auf dem Hocker stand.

Ein Blick in den Spiegel und es waren sich alle einig, dass dieses Kleid zwar durchaus hübsch, doch für eine Hochzeit nicht so ganz passte. Noch dazu war der Schnitt des oberen Teiles des Kleides etwas unvorteilhaft, wenn man so wie ich, eine größere Oberweite besitzt. Ich darf mich glücklich schätzen, dass meine Begleiterinnen eine gute Meinung haben und diese auch ohne Scheu aussprechen. Was ich sehr schätzte, verpasste dem Lächeln der Verkäuferin einen kleinen Dämpfer. Sie betonte mehrmals, dass die Hauseigene Schneiderei an dem Kleid Ausbesserungen vornehmen könnte und dass dieses Stück doch hervorragend zu einer Trauung, wie unsere im Schloss passen würde.

Zu der lauten Überlegung meiner Mutter, dass man sich doch sicherlich nochmal überlegen könnte ob das Kleid in die engere Auswahl kommt oder nicht, gab es die etwas patzige Antwort: “Dieses Kleid ist ein Einzelstück! Wenn es weg ist, ist es weg. Da müssten Sie sich schon bald entscheiden!”

Die bisherigen Sympathiepunkte die ich ihr unbekannterweise zugeschrieben habe, wurden mit jedem Satz weniger. Also gut. Wieder in die Umkleide und das nächste Kleid versuchen. Das zweite Kleid war einen Tick besser, änderte aber nichts an dem Problem mit dem Ausschnitt der denselben Schnitt hatte, wie das Vorgängermodell. Eine meiner beiden Freundinnen, brachte den Ratschlag, es doch mit einem Herzförmigen Ausschnitt zu versuchen, was wohl ebenfalls nicht so gut bei der Verkäuferin ankam. Offenbar waren nach ihrer Meinung meine Brüste einfach zu groß, dass auch kein herzförmiger Ausschnitt daran was ändern könnte. Unsere Gruppe vertrat jedoch die Meinung, dass eine Braut eben nicht nur aus Brüsten bestehen sollte, sondern auch aus einem Körper, den man sicherlich hübsch verpacken kann.

Die Gute Laune der Beraterin verflog allerdings in dem Moment, als ein Kleid entdeckt wurde, welches von ihr nicht herausgesucht worden war. Ein abschätziger Blick auf das Kleid und der Kommentar, dass ich in dieses Kleid niemals passen würde. Darin bekommt sie meinen Busen sicherlich nicht unter. Ich glaube ihre nun bereits am Boden liegende gute Laune wurde noch schlechter als alle unisono darauf bestanden es doch mal anzuprobieren.

Man muss der armen Frau zu guten halten, dass das letzte Kleid tatsächlich nicht passte allerdings ging dieser Aspekt ziemlich schnell unter, in dem sie mehrmals versuchte mir das erste Kleid aufzuschwatzen.

Im großen und ganzen waren wir alle froh, als wir den Laden wieder verlassen konnten. Sicherlich ist es vielleicht einfacher ein Kleid für eine Frau zu finden, die generell sehr schlank ist und auch obenrum weniger hat. Allerdings trage ich keine Übergrößen was es besonders schwer machen würde und denke schon, dass es Schnitte gibt die auch bei einer großen Brust gut aussehen.  Ich persönlich hatte danach das Gefühl, tatsächlich zu große Brüste zu haben, was bei einem guten Laden sicherlich nicht der Fall sein sollte. Das ist nun mal mein Körper und wer Geld mit einem Hochzeitskleid verdienen will, sollte sich mit dem Umgang von Menschen auskennen. Zum Glück hatte ich die richtigen Leute dabei und wir hatten trotz der Niete viel zu lachen. Daher auch hier noch mal ein dickes Dankeschön!

Ich werde jedenfalls aus meinen Fehlern lernen und den nächsten Termin in einem Brautladen persönlich ausmachen. 🙂 So kann ich vielleicht die eine oder andere böse Überraschung vorab eliminieren. 🙂

Wünscht mir Glück!

Alles Liebe

Eure Bibi

Short Story Collab #10 Horror

Short Story Collab #10 Horror

Hey ihr Lieben,

ich denke, mittlerweile wisst ihr was Short Stories sind und wie ihr daran teilnehmen könnt. Nicht? Nun, dann stattet doch der Seite http://captain-obvious.de/ Besuch ab. Es gibt mittlerweile auch eine dementsprechende Gruppe in Facebook (Short Story Collab – gemeinsam Geschichten schreiben). Neue Schreiberlinge sind gern willkommen und werden mit offenen Armen und Augen empfangen. 🙂 Nur keine Scheu, wir sind eigentlich alle ganz lieb.

Ich selbst stelle hier meinen Beitrag zum Thema Horror vor und diesmal hat es auch nichts mit meiner “Origingeschichte” zu tun, die bisher bei jedem Thema etwas gewachsen ist. Ich muss wohl betonen, dass das Thema vielleicht ein klein wenig umgangen wurde aber seht selbst. Fühlt euch frei zu kommentieren, zu loben oder zu kritisieren. Wie immer gilt, ich beisse nicht, versprochen! 🙂

Viel Spaß!

Eure Bibi

Das Heulen des Windes war in dem alten Herrenhaus in jedem Raum zu hören. Es gab keinen Strom und jeder Schritt lief Gefahr, den Boden zu durchtreten. Das Gebäude, ehemals voller Prunk und Mitbewohnern, die das Geld mit beiden Händen in nette Parties, hübschen Frauen und noch hübscheren Gegenständen gesteckt haben sind lange tot oder weitergezogen. Es lag zu weit weg vom Hauptgeschehen, die nächste Stadt 2 Autostunden entfernt, als einzige Nachbarn nur der große, dunkle Wald.

In der Regel verirrte sich hier niemand hierher. In der Regel sind die meisten 12 jährigen Mädchen um Mitternacht im Bett und schleichen sich nicht heimlich nach draußen. In der Regel. Aber es gibt Ausnahmen, wie dieses dunkelhaarige Mädchen hier beweist. Es war nicht schwer gewesen, dem schlafenden Vater auf dem Sofa, den Schlüssel aus der Hemdstasche zu stehlen, noch leichter war es, das Auto leise aus der Garage zu manövrieren und in Richtung der Autobahn zu düsen. Sie war schon immer groß für ihr Alter gewesen und dank ihrem älteren Bruder, der ihr etliche Fahrstunden in seinem alten Pickup auf einem verlassenen Parkplatz gegönnt hatte, stellte das Fahren eines solchen Autos kein Problem dar. Ihrem Vater hat es nie gekümmert, was seine Tochter trieb. Das war schließlich die Aufgabe seiner Frau gewesen, was konnte er dafür, wenn die Mutter ihrer Kinder einfach das Weite suchte und nie wieder etwas von sich hören lies? Er hatte gewiss anderes zu tun als Kindermädchen für eine kleine Göre zu spielen.

Dem Mädchen war es meist gleichgültig ob ihr Vater anwesend war oder nicht. Sie hatte ihren Bruder. Das genügte. Mehr brauchte sie nicht. Jahre hat sie ihren Vater ignoriert und jeder ging seiner Wege. Bis auf diesen Abend. Er hatte, mal wieder, zu viel getrunken und einen Höllenlärm in der Küche veranstaltet. Sie wurde aus dem Schlaf gerissen und taumelte nach unten. Sie trug ein enges Nachthemd aus dem sie eigentlich schon herausgewachsen war. Das Mädchen tapste die Treppe runter und blieb auf der letzten Stufe stehen. Ihr Vater stand nicht weit von ihr entfernt, wankend und mit verschwommenem Blick, versuchte er zu erkennen wer vor ihm stand. Seine Augen tasteten ihren Körper ab und verengten sich etwas. In dem Moment wusste das Mädchen, nein sie spürte es, dass etwas schreckliches passieren wird, wenn sie nicht das Weite suchte.

Sie bewegte sich keinen Millimeter, als der Vater langsam auf sie zutorkelte, immer näher kam und sein Gesicht zu einer lüsternen Fratze verzog. Viel zu spät, drehte sie sich um und versuchte die Treppen hochzulaufen. Es war zu spät. Er war zu kräftig, zu energisch, als das sie sich wehren konnte. Das einzige was sie sah und spürte war Schmerz und der unbändige Hass der mit der Pein anwuchs und ihr Innerstes zu zerreissen drohte.

Sie blieb liegen, als der Mann der sich ihr Vater schimpfte von ihr herunter rollte, zum Sofa krabbelte und sich schwer darauf fallen lies. Wenige Minuten später, war er weggetreten und rührte sich nicht mehr. Das Mädchen wartete noch einige Minuten, bevor sie sich hoch kämpfte.

Sie kannte den Weg. Der einzige Ort wo sie Verständnis fand. Ihr Zufluchtsort vor der Schule. Niemand wusste davon, nicht einmal ihr Bruder, der naiv glaubte, dass seine kleine Schwester jeden Morgen zu Schule ging. Sie waren alle Narren. Sie fand den versteckten Schlüssel unter einem zerbrochenem Blumentopf und öffnete die Türe. Das laute Knarren hörte sich hohl an und vermischte sich mit dem Jaulen des Windes. Vorsichtig suchten ihre Füße den Weg zur anderen Seite des Gebäudes. Sie kannte ihn auswendig und brauchte ihre Augen nicht um zu wissen wohin sie gehen musste. Vor ihr befand sich nun eine Türe, die bei hellem Tageslicht abblätternde grüne Farbe zu Schau stellte. Das Mädchen klopfte dreimal ehe sie die Türe aufzog und die Treppe nach unten ging.

Der Geruch von Moder und Schimmel kitzelte ihre Nase, es war kalt und die Kälte kroch dem Mädchen unter das Nachthemd, verursachte ein Kribbeln auf ihrer Haut, das zu einem Brennen anwuchs. Sie hieß diese Empfindungen willkommen. Endlich war sie zu Hause. Je weiter sie der Treppe nach unten folgte, desto heller wurde es. Bizarre Schatten huschten über ihrem Kopf hin und her. Es wurde wärmer und stickiger. Es roch nach Kupfer und nach etwas anderem, dass sie die ersten Male die sie hierhergeführt hatten nicht zuordnen konnte. Mittlerweile kannte sie den Ursprung und freudige Erwartung bereitete sich in ihrem Bauch aus. ER wusste was zu tun wäre. ER konnte ihr helfen  dem Monster, dass ihr weh getan hatte zu bestrafen. ER war ihr Freund. Ein Ausgestoßener, ein Rächer, ihr Held.

Das Mädchen betrat den Raum und lächelte. Ihr Zuhause. Ein Ort an dem Monster ihre gerechte Strafe erhielten. Ihr Blick glitt zu einer alten Wanne, die wahllos mitten in den Raum gestellt wurde. Darin lag etwas, das seine gerechte Strafe bereits erhalten hatte. Rote Flüssigkeit tropfte auf den Boden und bildete eine Lache aus Blut.

Sie war zu Hause und bald, bald wird ihre Rache ein Ende finden und das nächste Monster den Preis dafür bezahlen.

Short Story Collab #9 Traum

Short Story Collab #9 Traum

Hallo ihr Lieben,

es folgt eine weitere Fortsetzung meiner Geschichte. Diesmal hatte ich erhebliche Probleme, die schon allein damit begonnen hatten, dass mir die Idee fehlte wie ich das Thema Traum darin unterbringen sollte.
Nun, ich habe mein Bestes gegeben und hoffe ihr seid zufrieden damit. Wie immer sind Kommentare, vor allem Besserungsvorschläge sehr willkommen. Bitte traut euch, auch wenn ihr selber nicht schreibt. Es ist ein kleines Hobby von mir, dass nur wachsen kann wenn jemand ehrliche Kritik äußert.

Wer selbst Ideen im Kopf hat, diese auch gern niederschreibt darf sich gerne an der Aktion beteiligen und der Seite: www.captain-obvious.de einen Besuch abstatten. Der “Besitzer” dieser Seite hat das Projekt Short Story Collbab ins Leben gerufen und freut sich bestimmt über neue Schreiberlinge.

Alles Liebe,

Eure Bibi

Es ist seltsam, ich sollte vor Kälte schlottern, doch alles was ich fühlte war behagliche Wärme und willkommene Dunkelheit. Wie aus weiter Ferne höre ich Wassertropfen auf hartem Boden aufschlagen und leichtes Rascheln, dass von kleinen Tieren stammen könnte, in meinem Kopf aber nur Gleichgültigkeit auslöste.
Ich erinnere mich wage an Kälte und an Gedanken in meinen Kopf, die meinen rollenden Kopf im Morgenrot der Sonne zeigten, der von lüsternem Grölen der Zuschauer begrüßt wurde.
Jetzt fühlt es sich an, als würde diese Vorstellung der Vergangenheit angehören, dumpf und weit weg. Alles was zählte war das Gefühl der Geborgenheit. Ich öffne meine Augen und sehe über mir ein Meer aus Sterne, die ihr strahlend helles Antlitz wohlwollend auf mich richten.
Irgendwo in meinem Gedächtnis versucht eine leise Stimme mir etwas wichtiges mitzuteilen. Sie ist zu leise und ich nicht gewillt ihr Gehör zu schenken. Ich richte meinen Blick nach oben und blinzle. Hat sich dort etwas bewegt? Ich starre angestrengt in den Himmel, meine Augen beginnen zu tränen aber ich war sicher, etwas gesehen zu haben.
Dort! Es scheint, das Firmament versucht seine Schützlinge an einen Ort in der Mitte zu sammeln. Immer mehr Sterne rutschen von ihrem angestammten Platz zur Seite um sich mit dem Nachbarn zu vereinen.
Unruhe macht sich in mir breit, in meinem Bauch spüre ich ein leichtes Ziehen, dass mir entfernt bekannt vorkommt. Das Wort Angst manifestiert sich in meinem sonst leeren Kopf und mein Körper reagiert darauf mit Schweißausbrüche und zitternden Händen. Was ist aus der angenehmen Stille geworden? Der Geborgenheit? Mein Innerstes brüllt, was auch immer hier passierte, es soll aufhören und mich in Ruhe lassen aber es kommt kein Wort über meine Lippen.
Das Chaos über mir formt sich zu einem Gesicht. Mein Gedächtnis versucht mit aller Kraft sich an dieses Gesicht zu erinnern. Gehört zu es einer Person die mir sehr nahe steht? Die Lippen des Sternenbildes bewegen sich, es kommen Töne daraus hervor, die sich zu einem Wort vereinen, einem Namen. Sophia.
Kleine Stiche des Wiedererkennens piksen mein Innerstes. Ich sollte diesen Namen kennen, da bin ich mir sicher. Ich sollte diese Stimme kennen auch darin bin mir sicher. Zu der Angst in meinem Kopf gesellt sich Verwirrung und Erkenntnis. Was geht hier nur vor? Wo bin ich? Wer bin ich?
“Sophia! Wach auf! Sophia! Verdammt!”
“Wir müssen uns beeilen, Athos, die Wachen lassen sich nicht ewig für dumm verkaufen!”
Eine zweite Stimme mischt sich in das Gedankenchaos und die Erkenntnis darin wird immer größer und zieht mich mehr und mehr in einen Abgrund zurück, dem ich zuvor nur zu gern entkommen bin. Ein Teil von mir begehrt auf, beginnt gegen den Sog anzukämpfen, während mein Bauch immer lauter flüstert ich solle aufhören, loslassen und mich auffangen lassen. Ich höre auf zu kämpfen, gebe mich der Dunkelheit hin und lasse mich fallen.

Mit einem kleinen Aufschrei, schlage ich meine Augen auf und sehe in die Augen von Athos und seinen Musketieren.
“Was…?”
“Nun, gnädiges Fräulein, ich schätze wir sind hier um Sie zu retten.” Ich hätte einen ganzen Kuchen darauf verwetten können, dass diese Stimme Aramis gehörte und war froh darüber, dass mein Gehirn wieder angefangen hat “normal” zu arbeiten.