Don’t panic, it´s just another morning (kleiner Auszug aus dem Leben einer Blocksberg)

Don’t panic, it´s just another morning (kleiner Auszug aus dem Leben einer Blocksberg)

2013-09-25 19.22.59

Wer kennt es nicht? Man hat es endlich geschafft tief und fest zu schlummern um dann mit einem Ruck in die Realität geworfen zu werden.

Ich weigere mich ganze fünf Sekunden standhaft zu glauben, dass bereits wieder Morgen ist. Seufzend, das eher als ein miesepetriges Grummeln durchgeht, taste ich nach meinem Handy um den nervigen Wecker auf “Schlummern” zu stellen.

Seien wir mal ehrlich. Diese Schlummerfunktion ist auch nur dafür da, damit man sich weitere Minuten einreden kann, es sei noch gar nicht Morgen und man kann sich locker noch einmal zufrieden umdrehen. Fehlanzeige. Gefühlte Sekunden nach besagtem Umdrehen klingelt der Wecker nämlich wieder. Natürlich könnte ich jetzt meine Beine aus dem Bett schwingen, was mit meinem neuen Hüftgelenk eine easy Sache wäre. Natürlich könnte ich fröhlich pfeifend unter die Dusche springen. Natürlich könnte ich gut gelaunt am Tisch mein Frühstück verspeisen weil ich dafür ja genügend Zeit hätte.

Nun. Natürlich mache ich genau das nicht. Nicht das ich mir das am Abend davor fast täglich vornehme, obwohl ich es eigentlich besser weiß. Mein Tag beginnt also wie fast jeden Morgen damit, dass ich Zeit schinde, immer wieder einschlummere um dann verärgert auf schlummern zu drücken. So lange bis ich keine andere Wahl habe aufzustehen. Ohne Frühstück. Ohne gute Laune und ganz sicher ohne zu pfeifen. Ich hasse das Aufstehen aus tiefstem Herzen. Dennoch ist ein nicht unerheblicher Teil von mir immer sehr pünktlich, was dazu führt das ich eigentlich nie zu spät zur Arbeit komme, dafür aber das Frühstück so aussieht, dass ich mir eine Breze bei meinem Bäcker nebenan kaufe und diese auf dem Weg zur U-Bahn verspeise.

Man könnte auch sagen, das Stadtleben wäre daran schuld. Aber da ich auch ne ehrliche Haut bin, kann ich das widerlegen. Ich bin in einer eher ländlichen Umgebung aufgewachsen und selbst da war das Frühstück morgens eher ne kurze oder eben gar keine Sache.

Nachdem ich besagtes Frühstückchen verschlungen habe, sehe ich dabei zu wie eine U-Bahn, bereits voller Menschen, einfährt und sich noch mehr Menschen dazu drängen. Kurz stelle ich mir vor wie sie sich aufeinander stapeln ehe die Türen wieder zu gleiten und der Zug mit ans Fenster gedrückten Stadtleuten im dunklen Tunnel verschwindet.

Kurz darauf kommt eine fast leere U-Bahn und begrüßt mich mit bequemen Sitzen. Geduld ist etwas, was man in der Stadt entweder verlernt oder nie gelernt hat. Umso besser für mich. Auch wenn meine Fahrt von kurzer Dauer ist. Zwei Stationen später steige ich wieder aus und mache mich, natürlich zu Fuß (seit neuestem bin ich im Besitz eines Schrittzählers, das muss man auch nutzen) auf den Weg in die Arbeit.

Meine bisher vermisste gute Laune, lugt schüchtern aus ihrer dunklen Ecke hervor und kuckt mit großen Augen dabei zu wie ich Treppe für Treppe ersteige um endlich in der Praxis anzukommen, in der ich seit gut zwei Jahren erfolgreich kleine Kinder ärgern darf. Spaß bei Seite. Natürlich erledige ich meine Arbeit als Arzthelferin in einer Kinderarztpraxis mit sehr viel Gewissen. Was natürlich nicht heisst, das ich die kleinen Patienten nicht ab und an etwas ärgere.

Heute ist es noch leer und im Vergleich zum Winter, steht auch noch niemand vor der eigentlichen Sprechstunde an der Anmeldung um einen dringenden Notfall anzumelden. Ohne Termin natürlich, denn es ist offensichtlich dass der besagte Notfall totkrank ist und unbedingt vom Onkel Doktor untersucht werden müsste. Nachdem innerhalb von wenigen Minuten das Wartezimmer so aussieht, als hätten sich darin 50 Kinder gleichzeitig vergnügt.

Wie gesagt, heute ist es leer. Zumindest noch und ich habe reichlich Zeit meinem Chef und meiner Chefin guten Morgen zu wünschen und mir die Hände zu waschen (ein Muss falls hier Arzthelferin das lesen und dies nicht machen). Das alles mit einem Lächeln auf den Lippen. Kaum zu glauben, zwanzig Minuten davor wäre jeder vor meinen gefletschten Zähnen geflohen.

Es ist sogar so ruhig, das ich die Vorsorgen für den nächsten Tag bereits vorbereiten kann und alles säuberlich ins davor vorgesehene Fach schieben kann, ehe mein guter Freund das Telefon fröhlich zu Läuten anfängt. Dann wollen wir mal. Der Tag beginnt.

Oder auch nicht. Die Ferien gepaart mit dem guten Wetter haben wohl alle Krankheiten von kleinen Kindern ferngehalten. Zumindest von den meisten. Nur hartgesottene, in München gebliebene Eltern erscheinen mit unseren kleinen Patienten zu Vorsorge- oder Impfterminen. Da sich sonst kaum jemand im Wartezimmer aufhält sind sie meist genauso schnell wieder draußen wie sie gekommen sind und lassen mich wieder zurück. Neben meinem nun sehr stillen Freund, der sich standhaft weigert zu klingen. Nun gut, nicht dass ich es nicht angenehm finde endlich Arbeiten zu erledigen die sonst immer liegen bleiben. Kaum greife ich nach meinem Impfbuch, läutetet es neben mir, um mir dann anzuzeigen das der Anrufer nach meinem sehr netten Begrüßungsspruch aufgelegt hatte. Vielleicht doch nicht so nett. Wobei meine gute Laune bereits munter auf und ab hüpft und fröhlich vor sich hin quietscht. Ehe ich mich versehe ist der ruhige Vormittag sowie die noch ruhigere Pause (in der mein Freund Twitter leider herhalten muss) vorbei und die Nachmittagssprechstunde ist gekommen. Ich stürze mich voller Elan auf die kommenden Patienten.

Ehe sich die nächsten Patienten im Wartezimmer niederlassen können, stehe ich schon bereit dem nächsten sein kurzes, nicht so schönes Schicksal angedeihen zu lassen. Mein Nachmittag war also gerettet. Ich durfte mit Nadeln in der Hand hantieren, helfen dass diese auch im Arm des Kindes landen und bekomme dafür immer wieder ein lächelndes Danke der Eltern. Ihr müsst schon zugeben, es ist durchaus ein schöner Beruf. Doch kaum in meinem Element ist der Feierabend da. Schön und doch irgendwie traurig. Aber nun gut. Morgen ist ja ein neuer Tag. Das heisst, wenn ich das Aufstehen überlebe. Ach was, morgen schaffe ich es pünktlich aufzustehen! Ich werde genüsslich frühstücken und mich morgen vielleicht sogar etwas schminken!

Mein Zukunftsich schüttelt bereits wissen den Kopf. It’s not gonna happen!

Short Story Collab Rollkragenpullover

Short Story Collab Rollkragenpullover

Hallo ihr Lieben, wieder einmal war ich in der letzten Zeit sehr still. Ich könnte jetzt meiner Hüft-OP alles in die Schuhe schieben aber das wäre nicht sehr ehrlich von mir. Ich hatte einfach keine Motivation und auch keine Freude daran etwas auf Papier zu bringen. Jetzt habe ich wieder etwas Energie getankt und versuche mein Bestes. Ich weiß nicht wie viele Themen ich verpasst habe, daher gebe ich meinen Beitrag einfach zum Thema Rollkragenpullover ab. :) Viel Spaß beim Lesen! Wie immer gilt, Kommentieren ist erlaubt und eigentlich sogar erwünscht. Ganz gleich ob gut oder schlecht. Alles Liebe Eure Bibi Der Rollkragenpullover Wie das Leben hier so ist? Nun, was soll ich groß erzählen. Ich verbringe mein Dasein im Dunkeln. Um mich herum schwillt das aufgeregte Flüstern an, sobald der nächste Tag anfängt und durch die kleinen, hölzernen Ritze Tageslicht dringt. Ich kann mich nur dumpf daran erinnern wie es sich angefühlt hat, ausgewählt zu werden. Ich glaube ich war sogar richtig stolz, wenn mein Mensch sanft über meine Ärmel fuhr und sich an meiner Wärme erfreut hat, wenn es draußen klirrend kalt wurde. Ich kann mich nur noch schemenhaft an das freundliche Gesicht erinnern, dass mich mit einem Juchzer von der Stange nahm und auf das Kassenband legte. Ich erinnere mich nur noch an einen Hauch der Freude und der Aufregung, die ich damals wohl empfunden haben muss. Ich wurde oft aus dem düsteren Gefängnis, dass die Zweibeiner “Schrank” nennen herausgenommen, lange getragen und nur widerwillig in diese riesige Maschine gestopft. Wie nannte sie mein Mensch nochmal? Achja, die Waschmaschine. Ein seltsames Erlebnis. Man wird eingeweicht, durchgeschüttelt, eingeschäumt und am Ende schwindelerregend herumgeschleudert. Nach dieser seltsamen Prozedur wurde ich im hellen Licht aufgehängt und erst wieder in das Gefängnis zurückgebracht, wenn ich trocken und weich war. Ich habe es geliebt draußen zu sein. Die Welt der Zweibeiner zu sehen. Ich habe meinem Menschen gern Geborgenheit geschenkt. Ich dachte damals, in meiner Naivität, dass mich mein Mensch gern hätte. Mich niemals wieder hergeben würde. Dann kam der Frühling. Das Wetter wurde warm und meine gespendete Wärme wohl unerträglich. Ich wurde zusammen gelegt, in ein noch dunkleres Eck geschoben und dort liegen gelassen. Anfangs hatte ich noch die Hoffnung mit etwas Geduld meinem Zweibeiner wieder Trost spenden zu können. Schließlich würde der nächste Winter kommen und meine Wärme wieder wünschenswert sein. Die nächsten Winter kamen und gingen. Auf mir wurden weitere Trostspender gestapelt. Neu, knallig bunt und überheblich. Sie spotteten über meine Wolle. Über mein altmodisches Aussehen. Sie lachten wenn der Schrank geöffnet wurde und sie anstatt meiner herausgeholt wurden. Ich habe angefangen, dass Gelächter zu ignorieren. Ich zählte die Staubkörner die sich mehr und mehr auf mir niederließen. Beobachtete durch die kleinen Schlitze das wandernde Tageslicht. Nicht mal mehr mein kleines wollene Herz machte einen Hüpfer wenn ich meinen Menschen kurz zu Gesicht bekam, wenn es einen weiteren arroganten Mitbewohner auswählte ohne mich eines Blickes zu würdigen. Ich fühle mich alt und ungeliebt und warte auf den Tag, an dem das Gefängnis geöffnet wird und alle deprimierten, ungetragenen und alten Bewohner in einen Plastiksack verschwinden würden. Ich habe Gerüchte gehört, dass es ein Leben nach dem Entsorgen geben würde. Wenn man Glück hätte, könnte man sogar einem Menschen Trost spenden, der sich über deinen Anblick freut, egal wie abgetragen und abgenutzt ich aussehen würde. Der Gedanke daran heitert mich etwas auf und ich spüre wieder so etwas wie Hoffnung in mir. Ein Gefühl dass ich schon sehr lange nicht mehr erfahren durfte. Das Herz wird etwas leichter und ich widme mich wieder dem nächsten Staubkorn, dass sich auf mir ein neues Zuhause gesucht hat.

Leben mit Rheuma (ein kleiner Teil davon)

Leben mit Rheuma (ein kleiner Teil davon)

Viele von Euch die mich persönlich kennen oder vielleicht sogar auf Twitter folgen, wissen bereits dass ich an Rheuma erkrankt bin. Was auch der Grund vieler Tweets ist, wenn ich mich beispielsweise über nicht funktionierende Rolltreppen aufrege. Darüber einen kleinen Eintrag zu schreiben schwirrt schon sehr lange in meinen Gedanken umher, war mir aber unsicher ob das auch irgendjemand lesen will.

Heute bin ich mutig und trau mich. :) Vielleicht geht danach die/der Eine/Einer oder Andere/r mit mehr Feingefühl für die Mitmenschen durch die Welt. Ein zweiter Blick tut nicht weh und erleichtert jemand anderen ein kleine wenig das Leben.

Tja wo fange ich an. Vielleicht erst einmal damit was Rheuma eigentlich ist. Ich könnte hier Seiten über die einzelnen Krankheitsbilder schreiben. Keine Angst ich erspare euch das. Es gibt viele Arten von Rheuma und nicht alle haben etwas mit den Gelenken alter Frauen zu tun. Es bekommen eben nicht nur alte Menschen Rheuma. Im Gegenteil, es sind immer mehr die in jungen Jahren oder auch schon als Kleinkinder mit der Diagnose Rheuma durchs Leben stolpern müssen. Meine Art nennt sich chronische Polyarthritis. Das heisst ich habe mehrere Gelenke (in meinem Fall eigentlich alle) die sich durch Rheumaschübe entzünden. Mit ungefähr zwei Jahren bekamen meine Eltern diese Diagnose gestellt, die nicht wussten wieso ich oft ohne Grund vor Schmerzen weinte. Das ist jetzt fast 26 Jahre her. 26 Jahre in denen ich mich jeden Tag aus dem Bett gequält habe, ganz gleich wie groß der Schmerz war. 26 Jahre in denen ich auf Medikamente angewiesen bin, deren Langzeitnebenwirkungen ich noch zu spüren bekommen werde. 26 Jahre Rheuma und ich stehe ich immer noch. Mittlerweile sind viele Gelenke arg in Mitleidenschaft gezogen und die erste OP steht bald an. (falls ich davor nicht die Flucht ergreife)

Natürlich gab es Momente in meinem Leben die einfach nur ziemlich mies waren. Ich habe oft Wochen in einer speziellen Kinderrheumaklinik in Garmisch verbracht, die ich jedes mal aufs neue verabscheute. Die Aufenthalte waren nur dann ertragbar wenn sich einer meiner liebsten Freundinnen auch dort befunden hat. Wir teilen das gleiche Schicksal, haben uns in Garmisch kennen gelernt und sind mittlerweile über 10 Jahre befreundet.

Allerdings muss ich auch sagen, dass diese Klinik zu meiner Zeit und wahrscheinlich auch noch heute eine der wenigsten war die sich mit dieser Krankheit beschäftigte und für viele auch eine kleine Rettung darstellte. Sicherlich, ich bekam jeden Tag zahlreiche Anwendungen, konnte vormittags sogar zu Schule und die Schwestern waren bis auf wenige Ausnahmen immer sehr lieb. Dennoch war es immer ein großes Theater wenn es wieder daran ging die Koffer zu packen um nach Garmisch zu fahren. Im Nachhinein mussten meine Eltern viel Kraft aufbringen und ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Erkrankung für meine Eltern oft schlimmer war als für mich selbst.

Ein Leben mit einer Krankheit die nicht heilbar ist und die einen immer begleiten wird, kann auch Vorteile bringen. Falls die betreffende Person kein vermaledeiter Dickschädel ist. Ich erinnere ich daran, dass ich in der Schule extra Zeit für Proben bekam, da ich oft steife Finger hatte und daher nicht so schnell schreiben konnte. Ich erinnere mich auch, dass ich diese Zeit nie in Anspruch genommen habe und wenn mir die Finger danach fast abgefallen sind. Ebenso wurde mir mehr als einmal angeboten den Aufzug des Hausmeisters zu benutzen, was viele meiner Mitschüler sehr neidisch machte, weswegen ich jeden Tag, egal wie schwer es fiel, die Treppe gelaufen bin. Was allerdings auch nichts daran änderte, dass viele meiner Klassenkameraden mir diese Hilfestellungen der Lehrer übel nahmen. Zusammengefasst: bei Gott bin ich froh diese Zeit hinter mir zu haben und ich würde sie nicht wiederholen wollen.

Nun stehe ich hier, verdiene mein Geld als med. Fachangestellte und versuche mich durchs Leben zu schlängeln und ich behaupte mal ganz frech, dass ich das ganz gut bewerkstellige. An manchen Tagen humple ich brav zu meiner U-Bahn, ignoriere das Starren der Menschen, die nicht ganz verstehen wieso eine 27jährige wie eine alte Oma daher kriecht.

Es scheint auch ein ungeschriebenes Gesetz zu sein dass wenn die Rolltreppe defekt ist auch der Aufzug nicht funktioniert und ich mich unter erneutem Starren die Treppe runterquäle. Was mich aber speziell auf die Palme bringt sind Menschen die einen bei Seite schubsen um einen Platz in der U-Bahn zu bekommen. Sicher, man sieht mir nicht an, das mir gerade hundert Messer in die Gelenk gestoßen wurden. Umso mehr macht es mich wütend wenn ich sehe wie solche Leute auch Menschen mit offensichtlichen Behinderungen behandeln. Der Rollstuhlfahrer muss ewig an der Rolltreppe warten, Menschen mit Krücken werden in der U-bahn zur Seite gedrängt und müssen stehen. Hilfsbereitschaft den Mitmenschen gegenüber ist für viele ein Wort das man erst im Wörterbuch nachschlagen muss. Wieso ist das so?

Es tut keinem weh genauer hinzusehen und ich spreche von Hinsehen nicht starren. Also, wenn ihr beim nächsten Mal jemanden in die U-Bahn humpeln seht, wäre es schön solchen Menschen nicht den Sitzplatz vor der Nase wegzuschubsen. Es tut nicht weh die Treppe zu laufen, wenn man kann. Im Gegenteil man trainiert sogar noch Bauch/Bein/Po.

Was ich eigentlich sagen will: jeder hat sein Päckchen zu tragen und ist froh wenn man sich nicht mit der Blindheit oder Ignoranz anderer herumschlagen muss. Irgendwann bist du vielleicht sogar auf solche Hilfe angewiesen und freust dich darüber wenn dir jemand seine helfende Hand reicht.

Hilfe! Eine Hochzeit will geplant werden!

Hilfe! Eine Hochzeit will geplant werden!

Bald ist es soweit! Nächstes Jahr im Sommer darf ich mich “Ehefrau” schimpfen. 😉 Natürlich muss bis dahin alles geplant werden und natürlich wird auch so einiges schief gehen. Ich habe mir überlegt, ein paar Anekdoten darüber hier nieder zu schreiben. Zum Einen um es sich von der Seele zu schreiben, zum Einen um darüber selbst lachen zu können.

Sicherlich wird es nicht jeden interessieren aber dieser Punkt hat mich auch nicht von meinen Kurzgeschichten abgehalten. Wer doch einen Blick hier reinwirft: viel Spaß beim Lesen! :)

Die Einladungskarten sind gedruckt und warten aufs Verschicken, eine Website für die Hochzeit ist in Arbeit und ich darf sogar den ersten Termin in einem Brautladen mit einem großen, grünen Haken versehen. An diesem Termin möchte ich nun anknüpfen.

Ich denke für jede Frau ist das Hochzeitskleid etwas Besonderes, das mit viel Sorgfalt ausgesucht werden muss. Ein Pluspunkt wäre es wenn die Verkäuferin eines solchen Ladens einem selber sympathisch ist. Gewisse Kompetenz habe ich vorausgesetzt und bin in diesem Punkt auch prompt in einen Fettnapf gelaufen.

Hochzeitsgeschäfte sind in München nicht gerade selten, daher dachte sich meine Innere Bibi, jeder Laden hat eine Homepage die man besuchen kann. Gemacht, getan. Eine davon sah auf den ersten Blick sympathisch aus. Ich möchte hier nur kurz betonen, dass dies nicht die erstbeste Seite war, die gleich dingfest gemacht wurde. Tatsächlich habe ich eine halbe Stunde mit mir gehadert habe, welche ich nun zuerst anrufen soll.

Der Laden für den ich mich dann entschieden habe, sah auf dem Bild geräumig und einladend aus. Der Termin wurde telefonisch vereinbart und ich stand, begleitet von meiner Mutter und zwei meiner Freundinnen pünktlich vor dem Laden.

Nun ja, ich korrigierte das Wort “geräumig” in meinem Kopf in die Wörter “klein und fein” und marschierte gut gelaunt in den Laden. Wir wurden in den hinteren Bereich des Ladens gebracht und gefragt welche Vorstellungen wir denn hätten. Soweit, so gut. Es wurden einzelne Kleider von der Verkäuferin für die Anprobe vorbereitet und sie folgte mir brav in die Umkleidekabine um mir bei der Anprobe zu helfen.

Bis dahin war weitgehend alles in Ordnung. Ich schritt in dem sehr voluminösen Kleid aus der Kabine und sollte mich auf einen kleinen Hocker stellen, damit man sich besser im Spiegel betrachten konnte. Die erste Hürde mit einer kaputten Hüfte und einem nicht existenten Gleichgewichtssinn konnten mit der Hilfe meiner Begleiterinnen überwunden werden, so dass ich etwas wackelig zwar aber doch gerade auf dem Hocker stand.

Ein Blick in den Spiegel und es waren sich alle einig, dass dieses Kleid zwar durchaus hübsch, doch für eine Hochzeit nicht so ganz passte. Noch dazu war der Schnitt des oberen Teiles des Kleides etwas unvorteilhaft, wenn man so wie ich, eine größere Oberweite besitzt. Ich darf mich glücklich schätzen, dass meine Begleiterinnen eine gute Meinung haben und diese auch ohne Scheu aussprechen. Was ich sehr schätzte, verpasste dem Lächeln der Verkäuferin einen kleinen Dämpfer. Sie betonte mehrmals, dass die Hauseigene Schneiderei an dem Kleid Ausbesserungen vornehmen könnte und dass dieses Stück doch hervorragend zu einer Trauung, wie unsere im Schloss passen würde.

Zu der lauten Überlegung meiner Mutter, dass man sich doch sicherlich nochmal überlegen könnte ob das Kleid in die engere Auswahl kommt oder nicht, gab es die etwas patzige Antwort: “Dieses Kleid ist ein Einzelstück! Wenn es weg ist, ist es weg. Da müssten Sie sich schon bald entscheiden!”

Die bisherigen Sympathiepunkte die ich ihr unbekannterweise zugeschrieben habe, wurden mit jedem Satz weniger. Also gut. Wieder in die Umkleide und das nächste Kleid versuchen. Das zweite Kleid war einen Tick besser, änderte aber nichts an dem Problem mit dem Ausschnitt der denselben Schnitt hatte, wie das Vorgängermodell. Eine meiner beiden Freundinnen, brachte den Ratschlag, es doch mit einem Herzförmigen Ausschnitt zu versuchen, was wohl ebenfalls nicht so gut bei der Verkäuferin ankam. Offenbar waren nach ihrer Meinung meine Brüste einfach zu groß, dass auch kein herzförmiger Ausschnitt daran was ändern könnte. Unsere Gruppe vertrat jedoch die Meinung, dass eine Braut eben nicht nur aus Brüsten bestehen sollte, sondern auch aus einem Körper, den man sicherlich hübsch verpacken kann.

Die Gute Laune der Beraterin verflog allerdings in dem Moment, als ein Kleid entdeckt wurde, welches von ihr nicht herausgesucht worden war. Ein abschätziger Blick auf das Kleid und der Kommentar, dass ich in dieses Kleid niemals passen würde. Darin bekommt sie meinen Busen sicherlich nicht unter. Ich glaube ihre nun bereits am Boden liegende gute Laune wurde noch schlechter als alle unisono darauf bestanden es doch mal anzuprobieren.

Man muss der armen Frau zu guten halten, dass das letzte Kleid tatsächlich nicht passte allerdings ging dieser Aspekt ziemlich schnell unter, in dem sie mehrmals versuchte mir das erste Kleid aufzuschwatzen.

Im großen und ganzen waren wir alle froh, als wir den Laden wieder verlassen konnten. Sicherlich ist es vielleicht einfacher ein Kleid für eine Frau zu finden, die generell sehr schlank ist und auch obenrum weniger hat. Allerdings trage ich keine Übergrößen was es besonders schwer machen würde und denke schon, dass es Schnitte gibt die auch bei einer großen Brust gut aussehen.  Ich persönlich hatte danach das Gefühl, tatsächlich zu große Brüste zu haben, was bei einem guten Laden sicherlich nicht der Fall sein sollte. Das ist nun mal mein Körper und wer Geld mit einem Hochzeitskleid verdienen will, sollte sich mit dem Umgang von Menschen auskennen. Zum Glück hatte ich die richtigen Leute dabei und wir hatten trotz der Niete viel zu lachen. Daher auch hier noch mal ein dickes Dankeschön!

Ich werde jedenfalls aus meinen Fehlern lernen und den nächsten Termin in einem Brautladen persönlich ausmachen. :) So kann ich vielleicht die eine oder andere böse Überraschung vorab eliminieren. :)

Wünscht mir Glück!

Alles Liebe

Eure Bibi

Short Story Collab #10 Horror

Short Story Collab #10 Horror

Hey ihr Lieben,

ich denke, mittlerweile wisst ihr was Short Stories sind und wie ihr daran teilnehmen könnt. Nicht? Nun, dann stattet doch der Seite http://captain-obvious.de/ Besuch ab. Es gibt mittlerweile auch eine dementsprechende Gruppe in Facebook (Short Story Collab – gemeinsam Geschichten schreiben). Neue Schreiberlinge sind gern willkommen und werden mit offenen Armen und Augen empfangen. :) Nur keine Scheu, wir sind eigentlich alle ganz lieb.

Ich selbst stelle hier meinen Beitrag zum Thema Horror vor und diesmal hat es auch nichts mit meiner “Origingeschichte” zu tun, die bisher bei jedem Thema etwas gewachsen ist. Ich muss wohl betonen, dass das Thema vielleicht ein klein wenig umgangen wurde aber seht selbst. Fühlt euch frei zu kommentieren, zu loben oder zu kritisieren. Wie immer gilt, ich beisse nicht, versprochen! :)

Viel Spaß!

Eure Bibi

Das Heulen des Windes war in dem alten Herrenhaus in jedem Raum zu hören. Es gab keinen Strom und jeder Schritt lief Gefahr, den Boden zu durchtreten. Das Gebäude, ehemals voller Prunk und Mitbewohnern, die das Geld mit beiden Händen in nette Parties, hübschen Frauen und noch hübscheren Gegenständen gesteckt haben sind lange tot oder weitergezogen. Es lag zu weit weg vom Hauptgeschehen, die nächste Stadt 2 Autostunden entfernt, als einzige Nachbarn nur der große, dunkle Wald.

In der Regel verirrte sich hier niemand hierher. In der Regel sind die meisten 12 jährigen Mädchen um Mitternacht im Bett und schleichen sich nicht heimlich nach draußen. In der Regel. Aber es gibt Ausnahmen, wie dieses dunkelhaarige Mädchen hier beweist. Es war nicht schwer gewesen, dem schlafenden Vater auf dem Sofa, den Schlüssel aus der Hemdstasche zu stehlen, noch leichter war es, das Auto leise aus der Garage zu manövrieren und in Richtung der Autobahn zu düsen. Sie war schon immer groß für ihr Alter gewesen und dank ihrem älteren Bruder, der ihr etliche Fahrstunden in seinem alten Pickup auf einem verlassenen Parkplatz gegönnt hatte, stellte das Fahren eines solchen Autos kein Problem dar. Ihrem Vater hat es nie gekümmert, was seine Tochter trieb. Das war schließlich die Aufgabe seiner Frau gewesen, was konnte er dafür, wenn die Mutter ihrer Kinder einfach das Weite suchte und nie wieder etwas von sich hören lies? Er hatte gewiss anderes zu tun als Kindermädchen für eine kleine Göre zu spielen.

Dem Mädchen war es meist gleichgültig ob ihr Vater anwesend war oder nicht. Sie hatte ihren Bruder. Das genügte. Mehr brauchte sie nicht. Jahre hat sie ihren Vater ignoriert und jeder ging seiner Wege. Bis auf diesen Abend. Er hatte, mal wieder, zu viel getrunken und einen Höllenlärm in der Küche veranstaltet. Sie wurde aus dem Schlaf gerissen und taumelte nach unten. Sie trug ein enges Nachthemd aus dem sie eigentlich schon herausgewachsen war. Das Mädchen tapste die Treppe runter und blieb auf der letzten Stufe stehen. Ihr Vater stand nicht weit von ihr entfernt, wankend und mit verschwommenem Blick, versuchte er zu erkennen wer vor ihm stand. Seine Augen tasteten ihren Körper ab und verengten sich etwas. In dem Moment wusste das Mädchen, nein sie spürte es, dass etwas schreckliches passieren wird, wenn sie nicht das Weite suchte.

Sie bewegte sich keinen Millimeter, als der Vater langsam auf sie zutorkelte, immer näher kam und sein Gesicht zu einer lüsternen Fratze verzog. Viel zu spät, drehte sie sich um und versuchte die Treppen hochzulaufen. Es war zu spät. Er war zu kräftig, zu energisch, als das sie sich wehren konnte. Das einzige was sie sah und spürte war Schmerz und der unbändige Hass der mit der Pein anwuchs und ihr Innerstes zu zerreissen drohte.

Sie blieb liegen, als der Mann der sich ihr Vater schimpfte von ihr herunter rollte, zum Sofa krabbelte und sich schwer darauf fallen lies. Wenige Minuten später, war er weggetreten und rührte sich nicht mehr. Das Mädchen wartete noch einige Minuten, bevor sie sich hoch kämpfte.

Sie kannte den Weg. Der einzige Ort wo sie Verständnis fand. Ihr Zufluchtsort vor der Schule. Niemand wusste davon, nicht einmal ihr Bruder, der naiv glaubte, dass seine kleine Schwester jeden Morgen zu Schule ging. Sie waren alle Narren. Sie fand den versteckten Schlüssel unter einem zerbrochenem Blumentopf und öffnete die Türe. Das laute Knarren hörte sich hohl an und vermischte sich mit dem Jaulen des Windes. Vorsichtig suchten ihre Füße den Weg zur anderen Seite des Gebäudes. Sie kannte ihn auswendig und brauchte ihre Augen nicht um zu wissen wohin sie gehen musste. Vor ihr befand sich nun eine Türe, die bei hellem Tageslicht abblätternde grüne Farbe zu Schau stellte. Das Mädchen klopfte dreimal ehe sie die Türe aufzog und die Treppe nach unten ging.

Der Geruch von Moder und Schimmel kitzelte ihre Nase, es war kalt und die Kälte kroch dem Mädchen unter das Nachthemd, verursachte ein Kribbeln auf ihrer Haut, das zu einem Brennen anwuchs. Sie hieß diese Empfindungen willkommen. Endlich war sie zu Hause. Je weiter sie der Treppe nach unten folgte, desto heller wurde es. Bizarre Schatten huschten über ihrem Kopf hin und her. Es wurde wärmer und stickiger. Es roch nach Kupfer und nach etwas anderem, dass sie die ersten Male die sie hierhergeführt hatten nicht zuordnen konnte. Mittlerweile kannte sie den Ursprung und freudige Erwartung bereitete sich in ihrem Bauch aus. ER wusste was zu tun wäre. ER konnte ihr helfen  dem Monster, dass ihr weh getan hatte zu bestrafen. ER war ihr Freund. Ein Ausgestoßener, ein Rächer, ihr Held.

Das Mädchen betrat den Raum und lächelte. Ihr Zuhause. Ein Ort an dem Monster ihre gerechte Strafe erhielten. Ihr Blick glitt zu einer alten Wanne, die wahllos mitten in den Raum gestellt wurde. Darin lag etwas, das seine gerechte Strafe bereits erhalten hatte. Rote Flüssigkeit tropfte auf den Boden und bildete eine Lache aus Blut.

Sie war zu Hause und bald, bald wird ihre Rache ein Ende finden und das nächste Monster den Preis dafür bezahlen.

Short Story Collab #9 Traum

Short Story Collab #9 Traum

Hallo ihr Lieben,

es folgt eine weitere Fortsetzung meiner Geschichte. Diesmal hatte ich erhebliche Probleme, die schon allein damit begonnen hatten, dass mir die Idee fehlte wie ich das Thema Traum darin unterbringen sollte.
Nun, ich habe mein Bestes gegeben und hoffe ihr seid zufrieden damit. Wie immer sind Kommentare, vor allem Besserungsvorschläge sehr willkommen. Bitte traut euch, auch wenn ihr selber nicht schreibt. Es ist ein kleines Hobby von mir, dass nur wachsen kann wenn jemand ehrliche Kritik äußert.

Wer selbst Ideen im Kopf hat, diese auch gern niederschreibt darf sich gerne an der Aktion beteiligen und der Seite: www.captain-obvious.de einen Besuch abstatten. Der “Besitzer” dieser Seite hat das Projekt Short Story Collbab ins Leben gerufen und freut sich bestimmt über neue Schreiberlinge.

Alles Liebe,

Eure Bibi

Es ist seltsam, ich sollte vor Kälte schlottern, doch alles was ich fühlte war behagliche Wärme und willkommene Dunkelheit. Wie aus weiter Ferne höre ich Wassertropfen auf hartem Boden aufschlagen und leichtes Rascheln, dass von kleinen Tieren stammen könnte, in meinem Kopf aber nur Gleichgültigkeit auslöste.
Ich erinnere mich wage an Kälte und an Gedanken in meinen Kopf, die meinen rollenden Kopf im Morgenrot der Sonne zeigten, der von lüsternem Grölen der Zuschauer begrüßt wurde.
Jetzt fühlt es sich an, als würde diese Vorstellung der Vergangenheit angehören, dumpf und weit weg. Alles was zählte war das Gefühl der Geborgenheit. Ich öffne meine Augen und sehe über mir ein Meer aus Sterne, die ihr strahlend helles Antlitz wohlwollend auf mich richten.
Irgendwo in meinem Gedächtnis versucht eine leise Stimme mir etwas wichtiges mitzuteilen. Sie ist zu leise und ich nicht gewillt ihr Gehör zu schenken. Ich richte meinen Blick nach oben und blinzle. Hat sich dort etwas bewegt? Ich starre angestrengt in den Himmel, meine Augen beginnen zu tränen aber ich war sicher, etwas gesehen zu haben.
Dort! Es scheint, das Firmament versucht seine Schützlinge an einen Ort in der Mitte zu sammeln. Immer mehr Sterne rutschen von ihrem angestammten Platz zur Seite um sich mit dem Nachbarn zu vereinen.
Unruhe macht sich in mir breit, in meinem Bauch spüre ich ein leichtes Ziehen, dass mir entfernt bekannt vorkommt. Das Wort Angst manifestiert sich in meinem sonst leeren Kopf und mein Körper reagiert darauf mit Schweißausbrüche und zitternden Händen. Was ist aus der angenehmen Stille geworden? Der Geborgenheit? Mein Innerstes brüllt, was auch immer hier passierte, es soll aufhören und mich in Ruhe lassen aber es kommt kein Wort über meine Lippen.
Das Chaos über mir formt sich zu einem Gesicht. Mein Gedächtnis versucht mit aller Kraft sich an dieses Gesicht zu erinnern. Gehört zu es einer Person die mir sehr nahe steht? Die Lippen des Sternenbildes bewegen sich, es kommen Töne daraus hervor, die sich zu einem Wort vereinen, einem Namen. Sophia.
Kleine Stiche des Wiedererkennens piksen mein Innerstes. Ich sollte diesen Namen kennen, da bin ich mir sicher. Ich sollte diese Stimme kennen auch darin bin mir sicher. Zu der Angst in meinem Kopf gesellt sich Verwirrung und Erkenntnis. Was geht hier nur vor? Wo bin ich? Wer bin ich?
“Sophia! Wach auf! Sophia! Verdammt!”
“Wir müssen uns beeilen, Athos, die Wachen lassen sich nicht ewig für dumm verkaufen!”
Eine zweite Stimme mischt sich in das Gedankenchaos und die Erkenntnis darin wird immer größer und zieht mich mehr und mehr in einen Abgrund zurück, dem ich zuvor nur zu gern entkommen bin. Ein Teil von mir begehrt auf, beginnt gegen den Sog anzukämpfen, während mein Bauch immer lauter flüstert ich solle aufhören, loslassen und mich auffangen lassen. Ich höre auf zu kämpfen, gebe mich der Dunkelheit hin und lasse mich fallen.

Mit einem kleinen Aufschrei, schlage ich meine Augen auf und sehe in die Augen von Athos und seinen Musketieren.
“Was…?”
“Nun, gnädiges Fräulein, ich schätze wir sind hier um Sie zu retten.” Ich hätte einen ganzen Kuchen darauf verwetten können, dass diese Stimme Aramis gehörte und war froh darüber, dass mein Gehirn wieder angefangen hat “normal” zu arbeiten.

Short Story Collab #8 Zwielicht

Short Story Collab #8 Zwielicht

Hallo ihr Lieben!

wie auch beim letzten Thema, bin ich viel zu spät mit meiner Kurzgeschichte dran. Rinnt euch die Zeit auch so schnell durch die Finger? Falls nicht, hoffe ich doch, ihr seid mir nicht allzu böse.
Wer meine Geschichten bisher verfolgt hat, weiß was er zu tun hat. :) Comments, Comments and Comments! Wer sich ganz jungfräulich auf meinem Blog verirrt hat, sollte sich besser die vorherigen Beiträge einmal durchlesen. Am Besten von vorne! 😀 Wie die meisten sicher befürchten, wird die folgende eine weitere Fortsetzung meiner Lieblingsgeschichte werden.

Seid ihr an weiteren Kurzgeschichten interessiert, kuckt einfach auf die Seite www.captain-obvious.de Dort findet ihr nicht nur die Beiträge des “Erfinders” dieser Themen sondern auch die bisherigen Teilnahmen.

Viel Spaß beim Lesen, Kritisieren und Kommentieren.

Eure Bibi!

Meine Hände schimmern in dunklem rot, dort wo das zuvor klebrige Blut eingetrocknet ist, blättert es bereits ab. Ich weiß nicht wie viel Zeit vergangen ist aber es fühlt sich wie ein Jahrhundert an, ehe Athos mich von seinem Blick erlöst und einen weiteren, seltsamen zu meinen unzuverlässigen Wächter neben sich wirft. Schwer zu deuten ob er wirklich ziemlich sauer ist oder einfach nur genervt.
Ehe ich weiter darüber philosophieren konnte, werde ich von einem übelriechendem, stark schwitzendem Mann unsanft auf die Beine gezogen. Falls mein Gedächtnis nach diesem ganzen Chaos in meinem Kopf noch richtig funktioniert, müsste dieser übellaunige Typ der Wirt sein.

Ohne das die versammelten Männer viele Worte tauschen, werde ich von dem Wirt grob durch eine Türe geschubst die sich als, wie ich bereits befürchtete, mein zuvor verlassenes Gefängnis entpuppt. Ein kleiner Teil meines Ichs, fragt sich bereits ob sie diesen schummerigen Raum je verlassen wird. Die Hände des Wirts waren trotz seinem Alter nicht nur stark beharrt sondern auch erstaunlich stark. Sie drücken mich unsanft auf den Stuhl und fesseln meine beschmutzten Hände an die Lehne.

Trotz meines aufgewühlten Zustandes, komme ich nicht umhin das boshafte Lächeln des alten Mannes zu bemerken ehe er mir seinen breiten Rücken zudreht und die Türe hinter sich wieder schließt. Frustriert und den Tränen nahe, verstecke ich mein Gesicht hinter meinen Haaren, die nach dem Dreck darin zu urteilen, den Begriff Haare nicht mehr verdient hatten.
Ich war mir der Anwesenheit der Männer die sich als Leibgarde des Königs bürstet mehr als bewusst, wünschte mich aber sehnsüchtig in mein wirkliches, eigenes Zimmer zurück. Wo immer ich hier war, ich habe bereits ein Menschenleben auf meinem Gewissen und wahrscheinlich bald einen zweiten untergejubelten Mord. Wie komme ich aus dieser Situation wieder raus? Ich wollte doch nur weg von hier. Weg von einem Leben das ich bisher nur aus Büchern kannte. Ohne es wahrzunehmen, bahnen sich kleine salzige Wasserstraßen meinen Wangen hinab und tropfen auf mein lädiertes Oberteil.

Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie sich einer der Musketiere, weiß der Geier wohin sich der Wächter verzogen hat, in die Hocke geht und mein Kinn mit seiner behandschuhten Hand anhebt damit ich ihm ins Gesicht sehen kann. Athos, natürlich. Bevor er jedoch ein Wort über seine Lippen bringen kann, platze ich mit den Worten: “Verdammt! Ich hab ihn nicht umgebracht!” heraus. Der Klang meiner Stimme war mehr als nur hysterisch.

“Weißt du wer der Mann war, Sophia?” Ich schüttle stumm den Kopf und schaffe es trotzig in seine Augen zu kucken. “Ich habe ihn nicht gesehen, ehe ich über ihn gestolpert bin. Ich wollte …”

“Fliehen?” Seine Mundwinkel heben sich leicht, als würde er sich über etwas witziges amüsieren. Das Lächeln verschwindet allerdings wieder sehr schnell und formt sich zu einer strengen und besorgten? Miene.

“Er war ein sehr enger Berater des Königs, der noch heute ein wichtige Botschaft weiterleiten sollte. Wir haben viele Leute befragt, Sophia, niemand hier hat dich je zuvor gesehen, niemand kennt deinen Namen, man findet dich vor dem Toten kniend und mit blutigen Händen… Wenn du weiterhin deinen hübschen Kopf auf deinen Schultern tragen willst, solltest du mir sagen, wer du wirklich bist! Was ist deine Aufgabe hier?”

Er sieht mich aufmerksam an, wartet auf meine Antworten, die ich ihm nicht geben kann. Was sollte ich ihm auch sagen? Ich wusste ja selbst nicht, was ich hier verloren habe. Niemand wird mir glauben, dass ich unschuldig bin. Alle werden glauben, dass ich einen Mann kaltblütig ermordet habe. Und sie werden alle recht haben. Auch wenn es sich nicht um den Mann der nun ein Stockwerk unter mir liegt, handelt.

Nicht nur Athos blickt durchdringen in mein Gesicht, auch die Blicke der anderen Musketiere liegen auf mir. Ich blicke unruhig im Zimmer hin und her und versuche mir eine Antwort zurecht zu legen. Irgendeine. Doch bevor ich auch nur einen Mucks von mir geben kann, wird die Türe mit einem lauten Poltern aufgestoßen und der Wirt stolpert mit demselben Grinsen im Gesicht in das enge Zimmer. Er hat eine handvoll uniformierter Männer bei sich, die sich an ihm vorbei in den Raum zwängen. Unsanft werden meine Hände von der Lehne des Stuhls befreit, um sie gleich darauf in Ketten in zu legen. Das alles geht so schnell, dass ich nicht mal die Zeit habe in Panik auszubrechen. Ich werde wortlos zur Türe gezerrt.
Jetzt spüre ich die Panik ganz deutlich in meinem Bauch rumoren. Ich höre Wortfetzen, dann Handgemenge und plötzlich schiebt mich Athos hinter seinen Rücken. Wütend blafft er einen der Soldaten an.

“Was ist Euer Befehl, wohin bringt ihr sie?”

Verwundert über diese Gegenwehr tritt der Angesprochene ein paar Schritte vor und seine Antwort, lässt mir alle Haare zu Berge stehen.

“Der König klagt sie des Mordes an und befindet sie für schuldig. Unser Befehl ist es sie in den Kerker zu bringen, wo sie auf ihre Exekution durch Erhängen in der Morgendämmerung warten soll.”

Short Story Collab #7 Krimi

Short Story Collab #7 Krimi

Hallo ihr Lieben,

diesmal bin ich alles andere als pünktlich mit meinem Beitrag aber was soll ich sagen? Lieber spät als nie! Viel Spaß beim Lesen und wie immer dürft ihr fleißig kommentieren! 

Wie ihr nach den ersten Sätzen fest stellen werden, handelt es sich wieder um eine Fortsetzung! :)

Lasst es krachen und schwingt doch einmal selbst den Schreiberlingstift!

 

Eure Bibi

 

Es ist dunkel, und durch das offene Fenster strömt kalte Luft in das muffige Zimmer. Wie lange ich hier schon am Fenster sitze und den Mond anschaue, weiß ich nicht mehr. Ich fühle mich unendlich müde, wage es aber nicht mich auf das Bett zu legen, dass einen Großteil des Zimmers einnimmt. Ich meine, etwas Schwarzes unter die Bettdecke krabbeln zu sehen und versuche den aufsteigenden Ekel in mir nieder zu kämpfen. 

Seit zwei Tagen begnüge ich mich damit, auf dem Holzstuhl zu schlummern und zwischendurch den Himmel zu betrachten. Athos und seine Kumpanen fanden es wohl das Beste, mich erstmal im Auge zu behalten, bevor sie klären konnte, wer ich wirklich bin. Nach dem kleinen, blutigen Zwischenfall in dem ich einem Menschen einen Degen in den Körper rammte, versuchte der mysteriöse Fremde, der sich als meine Lieblingsfigur in dem Roman “Die Musketiere” vorstellte, mehr über meine Umstände in diesem ganzen Durcheinander herauszufinden. Vergeblich. Mehr als meinen Vornamen und dem erfundenen Besuch meines Verwandten, bekam er aus mir nichts heraus. Irgendwann gab er auf, rief nach seinen Männern und lies mich hier her bringen. Lässt man das Bett außen vor, könnte es hier fast heimelig sein. Ich bekomme geregelte Mahlzeiten und ausreichend zum Trinken, will heissen leckeren Rotwein, den ich in meinem aufgelösten Zustand willkommen hieß. 

Das warme Prickeln in meinem Bauch ist allerdings schnell verflogen und lies mich in meinem Gedankenchaos wieder alleine zurück. Ich hoffe inständig, dass ich mich bald wieder in meinem richtigen Bett befinde, ohne die Gewissheit, dass Blut an meinen Händen klebt. 

Ich seufze und im selben Moment öffnet sich meine sonst verschlossene und bewachte Türe mit einem leisen Quietschen. Verwundert starre ich auf den dunklen Türspalt aber niemand betritt den Raum. Der Holzstuhl knarrt warnend, als ich mich langsam erhebe und zur Türe husche. Ich spitze meine Ohren und höre außer dem entfernten Lachen in der Gaststube unter meinem “Gefängnis” nichts. Vorsichtig schiebe ich die Türe mit meinem Fuß etwas auf, bereit jeden Moment zurückzuspringen. In meinem Zimmer ist es zwar dunkel, nichts desto trotz ist es unschwer zu erkennen, dass der Platz vor der Türe leer und verlassen ist. Ich wittere eine kleine Chance und bevor ich mir weitere Gedanken machen konnte, flitze ich bereits raus in die Finsternis des Ganges. Ich achte auf jedes Geräusch und schleiche mich langsam die Treppe runter. Das Johlen und Singen im Schankraum wird lauter aber von meinen Bewachern oder Athos sehe ich keine Spur. Ich kann mich erinnern, dass mich die Musketiere (welch verwirrender Gedanke, sie beim Namen zu nennen) durch eine Hintertüre ins Wirtshaus eskortiert haben. Wo war der nur noch mal? Unsicher drehe ich mich im Kreis und wähle eine Richtung. Nach 3 Schritten allerdings liege ich flach auf dem Boden, meine Stirn pocht schmerzhaft, ich blinzle und versuche im Dunklen den Gegenstand zu sehen, über den ich offensichtlich gestolpert bin. Alles was ich bei den fehlenden Lichtverhältnissen sehen kann, sind schummrige Umrisse, die einem Sack Mehl nicht unähnlich sind.

ich schaffe es mich aufzurichten und den stumpfen Schmerz an meiner Schläfe zu ignorieren. Wer lässt denn bitte auch Säcke mitten im Weg liegen? Ich taste mich langsam mit den Fingern voran und fühle etwas feuchtes, klebriges an meinen Fingerspitzen. Etwas Kaltes und Widerliches breitet sich in meinem Körper aus, zusammen mit einer dunklen Vorahnung. Eigentlich sollte ich meine Chance nutzen, meine Beine in die Hand nehmen und laufen. So weit wie möglich. Wohin war mir vorerst ziemlich egal. Doch alles was mein dummer Körper macht, ist stocksteif auf einem schmutzigen Boden zu knien und wie besessen den Umriss das Etwas oder Jemanden? mit meinen Augen zu fixieren. 

Wie aus weiter Ferne höre ich Schritte. Schritte die fest und unaufhörlich in meine Richtung führen. Ehe ich außer Sicht krabbeln konnte, flammt eine Kerze vor mir auf, dann noch eine. Ihr weicher Schein, wirft romantische Schatten an die Wand gegenüber, während sie den Boden vor mir in grausames Licht taucht. Ein Mann liegt vor mir auf dem Rücken, die Arme von sich gestreckt wie erschlagen. Seine Augen blicken leer und kalt an die Decke, sein verdrecktes Hemd ist blutdurchtränkt und etwas silbernes blitzt aus seinem Bauch hervor Der Mann vor mir, wurde offensichtlich erdolcht. Mein Blick wandert von der Leiche zu meinen blutverschmierten Händen um darauf zu den Gesichtern der Männer zu huschen. Ich blicke in die Augen meines Wächters, der eigentlich brav vor meiner Türe stehen sollte und daneben in blaue Augen die ausdruckslos auf mich herab starren. In was habe ich mich nun hinein manövriert? Kann ich jetzt bitte, bitte wieder zu Hause sein? In meiner Welt? ohne Mord, Musketiere und diesen Mann der mich immer noch mit diesen Augen fixiert. 

Short Story Collab #6 Superkräfte

Short Story Collab #6 Superkräfte

Hallo ihr Lieben!

Das Thema für den Monat Juli ist diesmal Superkräfte und ich versuche mit diesem Thema an meine bisherigen zwei Beiträge (short stories 2 + 3) anzuknüpfen und somit meine Lieblingsgeschichte “weiterleben” zu lassen. Wer die beiden Kurzgeschichten nicht kennt, sollte vielleicht etwas zurückschollen und sie sich durchlesen ehe er mit der neuesten beginnt.

Wie ich in jedem Post von mir schreibe, sind Kritik, Verbesserungsvorschläge, Lob oder gar Schimpfe immer erlaubt und vor allem gern gesehen! Also nur her damit. Ich bin ein sehr friedfertiger Mensch und werde niemandem wegen einer Kritik einen Kopf kürzer machen, versprochen.

In diesem Sinne viel Spaß beim Lesen und selber schreiben!

Eure Bibi

 

Short Story Collab #6 Superkräfte

Mein Kopf brummt und fühlt sich schwer an. Mein Körper erwacht langsam wieder aus seinem tiefem Schlummer aber noch bin ich nicht bereit, meine Augen aufzuschlagen, aus Angst was ich zu Gesicht bekommen werde. Ich kann mich nur zu gut erinnern, was ich zuvor mit meinen Augen gesehen habe. Besonders an den Teil, in dem ich selbst aktiv wurde. Was habe ich mir nur dabei gedacht, eine Waffe in die Hand zu nehmen? Eine richtige Waffe? In den Händen des größten Tollpatsches auf Erden?

Wenn ich daran zurückdenke, spüre ich noch immer das Gewicht in meinen Händen, fühle wie sich die Spitze in einen menschlichen Körper bohrt und das pochende Leben darin einfach auslöscht. Ich habe einen Mann umgebracht. An einem Ort der nicht von dieser Zeit zu sein scheint. Ohne darüber nachzudenken, dass ich einen Mord begehe, habe ich mir die Waffe geschnappt um einem Fremden das Leben zu retten. Einem Fremden der mir vielleicht im nächsten Moment selber den Degen in mein Herz rammen wird, sobald ich meine Augen öffne. Was habe ich mir nur dabei gedacht? Wieso habe ich mich nicht einfach weggeschlichen und darauf gewartet, dass ich in meiner eigenen, geordneteren Welt wieder “aufwache”?

Mein Gehirn will noch immer nicht glauben, dass ich mich in eine andere Zeit katapultiert habe, während mein Bauch mich einen Vollidioten schimpft und mich zwingt den Tatsachen in die Augen zu sehen. Wünscht man sich nicht immer, einer der Protagonisten aus seinen Lieblingsbüchern zu sein, die durch Zeit und Raum reisen, auf Abenteuerreisen gehen und gegen das Böse kämpfen? Nun, falls dies wirklich alles wahr sein sollte, dann werde ich solche Wünsche nie wieder von mir geben. Ich will am Liebsten nur wieder zu Hause sein, in meinem Bett, in meiner Wohnung.

Das kratzende, nach Heu duftende Material unter mir, was mich am Nacken kitzelt und piekst, ist ganz sicher nicht mein Bett. Ich spitze meine Ohren um herauszufinden ob ich alleine bin. Alles ist still. Oder doch nicht? Ich glaube, ich höre jemanden ruhig ein- und ausatmen, ich bin mir aber nicht sicher. Vielleicht sollte ich mich doch noch eine Weile bewusstlos stellen und wer weiß? Ehe ich mich versehe bin ich doch wieder in meinem Zimmer.

“Ich weiß, dass Sie wach sind!”

Verdammt! Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese tiefe ruhige Stimme zu meinem Geretteten gehört. Was nun? Feige darauf beharren doch bewusstlos zu sein? Oder wie eine Lady energisch die Augen aufschlagen, aufstehen und elegant von dannen ziehen?

Ich zwinkere alles andere als energisch und setze mich langsam auf, da es in meinem Kopf immer noch sehr schwummrig ist. Na toll. Nicht einmal DAS bekomme ich respekteinflößend hin. Ich kneife ein Auge zu und mustere mein Gegenüber. Wie bereits befürchtet sitzt mir gegenüber der Mann, den ich kurz zuvor gerettet habe, in dem ich einen anderen Mann das Leben ausgehaucht habe. Bei dem Gedanken daran wird mir übel und meine Hände fangen wieder zu zittern an.

“Wie geht es Ihnen, Madame? Sie sollten vielleicht etwas trinken, Sie sehen aus, als würden Sie gleich ohnmächtig werden.”

Mir wird sachte ein Becher in die Hand geschoben. Ich nippe vorsichtig daran und schmecke schalen Wein. Nach ein paar Schlucken, fühlen sich meine Hände sicherer an und ich traue mich wieder dem Mann mir gegenüber anzusehen. Schwer zu sagen was in seinem Kopf vorgeht. Er sieht weder verärgert noch erfreut aus, eher nachdenklich und etwas anderes… erstaunt? Er mustert mich noch einige Sekunden mit diesen blauen Augen, die mich eine gefühlte Ewigkeit in meinen Träumen heimgesucht haben, ehe er wieder zu sprechen anfängt.

“Wie ist Ihr Name?”

“Äh… Sophia”

“Sophia und?”

“Nur Sophia.” Als ob ich fremden, dahergelaufenen Männern meinen Nachnamen verrate. Was, wenn er meinen Nachnamen recherchiert und herausfindet, dass ich nicht hierher gehöre? Wer weiß, in welcher Zeit ich mich befinde. Am Ende friste ich meine restlichen Lebensminuten auf einem Scheiterhaufen, mit dem Namen Hexe in meine Haut gebrandmarkt.

Er dreht seinen seltsam witzig aussehenden Hut in seinen Händen hin und her, so dass die große Feder darauf, sachte auf und ab wippt, während er mir in die Augen blickt und ich Misstrauen darin aufblitzen sehe.

“Was machen Sie hier, NUR Sophia? Und wieso tragen Sie diese seltsame Kleidung?”

Berechtigte Frage. Was zum Teufel mache ich hier?

“Ich, äh bin auf Durchreise zu einem entfernten Verwandten. Er ist sehr krank und wünscht meine Anwesenheit.” Eine lahme Ausrede aber was soll ich sagen? Entschuldigen Sie aber ich bin offensichtlich in der Lage ,durch die Zeit zu reisen und bin in Ihrer Zeit gelandet. Ich höre bereits das Knistern der Feuer auf dem Scheiterhaufen. Die Frage nach meiner Kleidung lasse ich unbeantwortet. Ich bin mir sicher, dass es sich nicht geziemt dies eine Dame zu fragen.

“Sie sind also auf Durchreise. Können Sie mir vielleicht auch die Frage beantworten, was Sie wenige Tage zuvor in dieser verlassenen Gasse zu tun hatten, ehe Sie das Interesse eines Diebes geweckt haben um anschließend vor meinen Augen zu verschwinden?”

Mist, unsere erste Begegnung in dieser widerlichen Gasse habe ich ganz vergessen. Ebenso, dass ich mich offensichtlich direkt vor seinen Augen in Rauch aufgelöst habe. Was nun? Die bereits bekannte Panik, klopft sachte an die Tür zu meinem Bewusstsein und wartet darauf, dass ihr jemand Einlass gewährt. Bevor sie sich mit voller Gewalt gegen diese Türe eintreten kann, öffnen sich meine Lippen wie von selbst und ich brauche einige Sekunden, um das Gesagte in meinem Hirn zu verarbeiten.

“Was sollen diese Fragen? Bedankt man sich so bei einer Dame, die gerade Ihr Leben gerettet hat? Wieso wollte Sie der Mann eigentlich töten? Ach, und wissen Sie was? Ich habe zuvor noch nie jemandem ein Haar gekrümmt, geschweige denn getötet! Wäre ich Sie, würde ich mich als erstes bedanken, statt seltsame Fragen zu stellen. Sich vorzustellen, wäre übrigens ebenfalls eine hervorragende Idee gewesen!”

Ich sehe, wie er erst überrascht die Augen aufreisst, ehe er in Gelächter ausbricht. Was bitte schön, ist an dieser Situation lustig. Ich kann nicht behaupten, dass ich mich besonders amüsiere. Ich starre ihn wütend an und verschränke meine Arme.

“Entschuldigen Sie. Sie haben natürlich Recht. Ich stehe in Ihrer Schuld und bedanke mich, dass sie mich vor dem Tode bewahrt haben. Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Athos, Diener des Königs und Mitglied der Musketiere.”

Er deutet eine Verbeugung an und richtet seine blauen Augen, verschmitzt und zugleich wachsam auf mich. Ob es ihm auffällt, dass ich gerade aus allen Wolken falle? Wie ich die Arme um mich lege, als würde ich frieren? Ich erinnere mich daran, welches Buch ich zu letzt gelesen habe und versuche fieberhaft mir einen Reim auf alles zu machen. Bin ich gar nicht in einer anderen Zeit gelandet sondern sogar in einer komplett anderen Welt? Was, wenn ich, wie auch immer, die geheime Superkraft besitze, mich in eine erfundene Geschichte zu katapultieren? Und wenn ja, wie komme ich wieder zurück? Zuletzt, war es die körperliche Gewalt und die Todesangst die mich zurückbrachten. Muss ich erst wieder überfallen werden, um nach Hause zu kommen? Was passiert hier nur mit mir?